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Hochdruck-Gebiet: Her mit dem Sommer-Grip!

Boxenstopp fast wie im Rennsport: Nach dem verspäteten Frühjahrs-Startschuss rüsten die Mechaniker beim Teterower Reifendienst Börger derzeit täglich bis zu 150 Autos auf Sommerreifen um. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert
Boxenstopp fast wie im Rennsport: Nach dem verspäteten Frühjahrs-Startschuss rüsten die Mechaniker beim Teterower Reifendienst Börger derzeit täglich bis zu 150 Autos auf Sommerreifen um. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Auch wenn die Pisten immer noch nicht ganz auf Sommer-Temperatur sind, können es Autofahrer anscheinend kaum erwarten, das wichtigste Symbol des Winters von ihren Fahrzeugen zu verbannen.

Teterow.Rein, rauf, ab – ran, runter, raus. Fast wie in der Boxengasse der Formel 1 geht es derzeit beim Reifendienst in Teterow zu. „Es ist schon verrückt dieses Jahr“, sagt Inhaber Ansgar Börger und wird gleich wieder vom Telefon unterbrochen. Erst am vergangenen Donnerstag hat er das letzte Mal von Glätteunfällen zwischen Stavenhagen und Neubrandenburg gehört. Nur einen Tag später begann bei ihm der Run auf die Sommerreifen.
Wie die Ameisen wuseln die Mitarbeiter um die vier Hebebühnen, sogar im Hof hinter der Werkhalle wird gerade ein Auto aufgebockt. Mit Gabelstapler und Sackkarre schafft eine besonders schwitzende „Ameise“ Räderstapel um Räderstapel heran. Radnabe entrosten, Blick auf die Bremse, dann Luftdruck kontrollieren, anschrauben. Jeder Handgriff sitzt. Bis zu 150 Autos schaffen Börger und seine Mechaniker so pro Tag. Wie er aus den Vorjahren weiß, wird das noch die nächsten sechs bis sieben Wochen so weitergehen.
„Und das ohne Sommerreifen-Pflicht“, zwinkert Ansgar Börger über seine Brille. Es schade einem Winterreifen nicht, wenn er bei den derzeitigen Temperaturen noch ein paar Tage weiter gefahren wird. Allerdings könne man durch die weichere Gummimischung im Hochsommer das Gefühl haben, der Wagen schwimmt, gibt Börger zu bedenken. Dass Winterreifen im Sommer viel schneller abnutzen, verneint der Reifen-Experte dagegen. Er hält es aber auch für keine besonders gute Option, nach dem verlängerten Winter den Reifenwechsel in diesem Jahr ganz zu sparen. „Man gewinnt ja nichts, wenn man einen guten Winterreifen im Sommer abnutzt, und der dann zum nächsten Winter nicht mehr die empfohlenen vier Millimeter Profil hat.“
Lässt sich denn vielleicht mit Ganzjahres-Reifen etwas sparen? „Es ist natürlich Geschmackssache“, sagt Börger. Wirklich ans Herz legt er Ganzjahresreifen aber nur Kunden, die so wenig fahren, dass sie zwei Sätze des Schwarzen Golds nicht verbrauchen könnten, bevor das Material überaltert. Letztlich seien Ganzjahresreifen nur für diese Autofahrer ein guter Kompromiss. Als technischer Kompromiss konnten sie sich auch nach der Einführung der Winterreifen-Pflicht nicht weiter etablieren, hat Börger bei seinen Kunden beobachtet. Im Gegenteil, im gerade erst vergangenen Winter sind vor allem Vielfahrer zu den Winterspezialisten zurückgekehrt. Um so mehr Kunden wollen jetzt auch mit Sommerspezialisten ihre Pferdestärken auf den Asphalt bringen. „Wir tun, was wir können“, sagt Ansgar Börger und muss schon wieder ans Telefon gehen.

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m.greisert@nordkurier.de

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