Nordkurier.de

Illegaler Müll frisst Geld für Spielplätze

Christoph Seidel nimmt auch für kleine Mengen Bauschutt gern den Weg zum Teterower Wertstoffhof auf sich. Immer mehr schwarze Schafe folgen seinem Beispiel nicht.  FOTO: Greisert
Christoph Seidel nimmt auch für kleine Mengen Bauschutt gern den Weg zum Teterower Wertstoffhof auf sich. Immer mehr schwarze Schafe folgen seinem Beispiel nicht. FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Immer öfter muss heimlich abgekippter Unrat aus Wäldern und Wiesen geborgen werden. Allein die Stadt Teterow kostet das jedes Jahr tausende Euro. Dabei könnten sich die Täter ihre kriminelle Energie eigentlich sparen.

Teterow.Bauschutt, Sperrmüll, halbe Autos. „Wir haben rund um Teterow wirklich schon alles gefunden“, macht Adolf Schlaak vom Stadtbauhof aus seinem Ärger keinen Hehl. Nach Müllbergen am Glasower See und im Hohen Holz (Nordkurier berichtete) haben seine Mitarbeiter gerade an der Straße nach Teschow einen Schutthaufen mit mehreren Wasch- und Toilettenbecken beseitigt. Immer häufiger landet aller erdenklicher Unrat an Feldrändern und Waldwegen bestätigt auch Revierförster Sven Wagemann. „Man mag gar nicht mehr in den Wald gehen, weil die Eingänge total verschandelt sind“, schimpft er.
Ihn ärgert aber nicht nur, dass Grünschnitt und Gartenabfälle braun werden und beginnen säuerlich zu stinken. Die illegalen Komposthaufen schaffen punktuell ein Überangebot an Nährstoffen. Durch Ableger und Samen werden Pflanzen in den Wald getragen, die dort seltene oder bedrohte Arten verdrängen könnten. Noch gefährlicher ist aber der „Zivilisationsmüll“: Immer wieder findet der Förster Dachse, Marder und Mäuse, die auf der Suche nach Fressbarem in Dosen oder Gläsern steckengeblieben und elendig verhungert sind. Glasabfälle können zudem Sonnenstrahlen so konzentrieren, dass sich trockenes Gras und Laub entzünden. Dass immer mehr Menschen riskieren, beim illegalen Müllverkippen erwischt zu werden, statt ihre Abfälle beim Wertstoffhof kostenlos abzugeben, kann Sven Wagemann nicht verstehen.
Dabei wird der in Teterow von den Einwohnern so gut angenommen, wie kaum ein anderer, sagt die dortige Mitarbeiterin Elitha Kietzmann. Sie hat viele Jahre als Springerin bei den verschiedenen Annahmestellen der Abfallwirtschaft Güstrow gearbeitet und nennt Teterow ihren Lieblingshof. „Die meisten Leute wissen inzwischen, was sie herbringen können und haben zuhause schon vorsortiert“, lobt sie.
Nur Teerpappe, asbesthaltige Stoffe und Glasfaserdämmung könne man bei ihr nicht loswerden, auch wasserlösliche Farben und ausgehärtete Lacke nicht. Für diese seien spezielle Recyclingfirmen für Bauabfälle zuständig. Bei allem, was mit Kraftfahrzeugen zu tun hat - Batterien, Öl, Fett oder Kühlflüssigkeit - seien dagegen ohnehin Hersteller und Verkaufsstellen verpflichtet, sie kostenlos zurückzunehmen.
Wenigstens die illegale Entsorgung von Kraftfahrzeugen sei seit der Altfahrzeug-Verordnung von Ende der 1990er Jahre fast auf Null zurückgegangen, sagt Stadtbauhof-Chef Adolf Schlaak. Der restliche illegale Müll bleibt für die Kommune aber ein teures Ärgernis.
Allein der Einsatz am Glasower See hat die Stadt Teterow laut Schlaak etwa 500 Euro gekostet. „Jedes Jahr 5000 bis 10000 Euro, dafür würden wir viel lieber neue Geräte für unsere Spielplätze anschaffen.“

Kontakt zum Autor
m.greisert@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×