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In der Abgeschiedenheit das Weidwerk erlernen

VonEberhard Rogmann

Gutshäuser sind das Markenzeichen der Region. Wir zeigen Beispiele, die ihnen neue Perspektiven geben.

Schwiessel.Das alte Gutshaus Schwiessel ist seit zwei Jahren Domizil von Elisa und Klaas Sievers. Das junge Paar betreibt hier eine Jagdschule. Eigentlich sind beide Großstädter, sie kommen aus Hamburg bzw. Berlin. Dennoch haben sie hier in der Abgeschiedenheit des kleinen Dorfes ihren Lebensmittelpunkt gefunden. „Das Haus ist wunderschön mit seinem alten Fachwerk. Schon als ich es zum ersten Mal sah, wusste ich – das ist es“, bekennt Elisa Sievers.
Ein besonderes Kleinod ist das in Stein gehauene Wappen der Erbauer mit der Jahreszahl 1735 über der Tür. „Die Besitzer haben sicher viel Geld in die Sanierung investiert und sehr auf die Erhaltung originaler Substanz geachtet“, merkt Klaas Sievers an, auf die aufgearbeiteten Türen weisend.
Das Paar ist sich wohl bewusst, dass Schwiessel abseits der touristischen Attraktionen Ostseeküste und Müritzregion liegt. Nur eine schmale Kastanienallee führt ins Dorf. Von hier geht die Straße nicht weiter. Für die Jagdschule ist es von Vorteil, dass hier nur wenige Urlauber unterwegs sind. Die Kurse finden monatlich das ganze Jahr über statt und dauern in der Regel 18 Tage. Die Teilnehmerzahl schwankt zwischen fünf und zehn. „Da entsteht schnell eine familiäre Atmosphäre. Hier wurde schon manche Freundschaft geschlossen“, verrät Elisa Sievers.
Ruhe und Naturnähe prägen auch die Kurse. Es wird zwar konzentriert gearbeitet, aber nahezu stressfrei. Neben dem theoretischen Wissenserwerb kommt die Praxis nicht zu kurz. Das örtliche Revier ist reich an Wild. „Schwarzkittel gibt es ja überall. Aber auch Reh- und Damwild haben wir und sogar Rotwild“, zählt Klaas Sievers auf. Auf der Pirsch und vom Hochsitz aus lernen die Kursanten die Eigenarten des Wildes kennen, geschossen wird dabei nicht. Die Gäste kommen mittlerweile aus dem gesamten Bundesgebiet. So manchem gefiel es so gut, dass er wiederkommt, weiß Frau Sievers zu berichten.
Im Dorf fühlt sich die Familie von Anfang an gut aufgenommen. „Da gab es keine Schwierigkeiten. Hier leben ziemlich viele junge Leute. Über die Kinder kommt man schnell in Kontakt. Und die Jagd und Hunde sind eben auch Themen, die einander schnell näherbrachten“, schildert die Zuzügler.

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e.rogmann@nordkurier.de

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