Mandy Unger (links) wird die Boutique von Roswitha Siedhoff übernehmen. Foto: Iris Diessner
Von unserem Redaktionsmitglied Iris Diessner
Fast 30 Jahre trennen Roswitha Siedhoff und Mandy Unger. Auch eine Menge Lebenserfahrung und sicherlich noch vieles andere. Aber eines haben die beiden Frauen in Malchin gemeinsam. Die Liebe zur Mode.
Malchin.Fast ein wenig gedankenverloren streift der Blick von Roswitha Siedhoff über die Kleiderstangen und Regale. „Das war mein Leben in den vergangenen 21 Jahren“, sagt sie mit einem Lächeln. So, als wenn sie selbst noch nicht ganz davon überzeugt ist, dass dies nun bald vorüber sein soll. Nicht das Leben, aber ihre tägliche Präsenz in der Boutique. Am 29. Februar wird sie zum letzten Mal als Chefin im Laden stehen. Und das wird der Tag sein, an dem sie ihren Kunden noch einmal ein großes Dankeschön sagen will. „Dass ich hier 21 Jahre durchgehalten habe, das habe ich ihnen zu verdanken“, sagt sie mit ein wenig Rührung in der Stimme. Schon am Tag danach hat Mandy Unger das Sagen. Sie wird die Boutique von Roswitha Siedhoff übernehmen. „Mit einem lachenden und einem weinenden Auge sehe ich dem entgegen“, sagt die 66-jährige Noch-Chefin. Natürlich hänge ihr Herz an dem Laden. Schließlich habe sie ihn vor 21 Jahren praktisch aus dem Nichts aufgebaut. Roswitha Siedhoff ist gelernte Kindergärtnerin, hat später dann Staat und Recht studiert. Nach der Wende sei ihr schnell klar geworden, dass sie etwas ganz Neues wagen möchte. „Etwas, das mir Freude macht, womit ich aber auch anderen eine Freude bereiten kann“, erklärt sie. Für Mode habe sie sich schon immer interessiert und wer die schlanke, dunkelhaarige Frau sieht, der zweifelt daran keine Sekunde. Also eine Boutique. Ein eigenes Haus war vorhanden. Die ehemalige Garage wurde nun zum Domizil von Kleidern, Mänteln, Röcken und schicken Pullovern. Es musste sogar noch angebaut werden. Allerdings ist die Wiesenstraße nicht gerade als Einkaufsmeile zu bezeichnen. Umso mehr kann Roswitha Siedhoff stolz darauf sein, sich hier einen Namen erarbeitet zu haben. „Zu mir kommen nicht nur Kunden aus Malchin“, erzählt sie. Zeitlose Mode, die qualitativ hochwertig ist, das habe offenbar funktioniert. Ehrliche Beratung sei eine weitere Maxime. Ganz wichtig für sie als Quereinsteigerin seien die Schulungen und Zusammenkünfte bei der IHK und im Einzelhandelsverband gewesen. Obwohl man als Händler Einzelkämpfer sei, habe ihr der Zusammenhalt mit anderen Malchiner Händlern und Gewerbetreibenden ebenfalls Kraft gegeben. Sie erinnert sich gern an die Wiesenstraßenfeste. Und unbedingt müsse man die Unterstützung ihres Mannes mit erwähnen. Er habe ihr treu zur Seite gestanden in all den Jahren. „Aber nun ist es Zeit, denn wir wollen unser Leben noch ein bisschen genießen“, meint sie. Vor allem die Kultur sei in den vergangenen Jahren doch etwas zu kurz gekommen. Theater, Konzerte, Buchlesungen. Das werde jetzt nachgeholt. Außerdem gehöre zum großen Haus noch ein riesiger Garten. „Ich wecke noch selber ein wie zu Omas Zeiten“, verrät sie verschmitzt. Nein, langweilen werde sie sich nicht. Und wenn Mandy Unger mal Hilfe brauche, dann sei sie da, verspricht sie ebenfalls. „Die werde ich ganz sicher brauchen“, meint die 38-Jährige, die sich mit der Boutique auch einen langgehegten Traum erfüllen will. Selbstständig wollte sich die gelernte Fachverkäuferin schon länger machen, aber ihr habe die richtige Idee gefehlt. Seit einem halben Jahr bereiten die beiden Frauen die Übernahme vor. „Ich musste ja erstmal herausfinden, ob sie die Richtige ist, der ich meine Boutique vermieten will“, sagt Roswitha Siedhoff. „Als wir zum ersten Mal Sachen ordern waren, da habe ich gemerkt, dass es klappt mit uns beiden“, berichtet die Ältere. Ein bisschen verändern musste sich Mandy Unger aber auch. „Ich war rein kleidungsmäßig bis dahin mehr der flippige Typ, aber der etwas elegantere Stil gefällt mir gut“, gesteht sie. Nun sei sie doch schon ein wenig aufgeregt. „Ich muss ja schließlich das Vertrauen rechtfertigen, das sich Frau Siedhoff bei den Kunden erarbeitet hat“, meint sie mit einiger Ehrfurcht, aber auch selbstbewusst.