Nordkurier.de

Kleingärtner in der Warteschleife

Spärliches Angebot, aber zum Glück auch kaum Konkurrenz für die erste Biene in Ulrich Meyns Garten.
Spärliches Angebot, aber zum Glück auch kaum Konkurrenz für die erste Biene in Ulrich Meyns Garten.

Von unserem RedaktionsmitgliedMathias Greisert

Die Sonne lockt an die Beete, aber Schnee und Eis haben die Parzellen fest im Griff. Noch geht da nichts. Doch einer, der es wissen muss, erwartet schon bald einen richtig kräftigen Frühlings-Ruck.

Teterow.Es ist die reinste Geduldsprobe. „Schon April und keiner von uns kann anfangen“, schüttelt der Teterower Ulrich Meyn beim Blick über die verwaiste Kleingartenanlage am Ostrand der Stadt den Kopf. Auf über zwölf Hektar reiht sich hier Garten an Garten, doch von Laubenpiepern keine Spur.
Über dreißig Jahre ist Ulrich Meyn schon Kleingärtner. Dass er Anfang April noch keine Zwiebeln, Saubohnen und Möhren im Boden hat, ist ihm aber noch nie passiert, sagt der Rentner. Schlimmer noch, trotz der zuletzt fleißigen Sonne ist ein Großteil seiner Beete noch zentimeterdick mit Schnee bedeckt. „Eine gefühlte Ewigkeit“ müssen die Stiefmütterchen seiner Frau Renate schon im Gewächshaus ausharren, wo ihnen der Frost nichts anhaben kann. „Hier, absolut nichts“, nimmt Ulrich Meyn mit gespielter Empörung die Zweige eines Kirschbaums unter die Lupe.
Dabei ist die Natur gar nicht so sehr im Rückstand, sagt der Naturforscher Armin Schmidt. Als Phänologe führt er seit 40 Jahren akribisch Buch über die Entwicklungszyklen ausgewählter Pflanzen in und um Teterow. Seine Beobachtungen übermittelt er an den Deutschen Wetterdienst in Offenbach. Die Haselnuss etwa hat in diesem Jahr nur fünf Tage später geblüht als im vergangenen. Allerdings habe er noch nie bei so wenigen Arten Austrieb und Blüte festgestellt wie in diesem März.
Die Stachelbeere zum Beispiel hatte 2012 am 31. März bereits voll ihre Blätter entfaltet. In diesem Jahr beginnt sie gerade erst zu treiben, hat Armin Schmidt in seinem Garten am Heidberg beobachtet. Ähnlich verhalte es sich mit den Apfelbäumen. Demnach liegt die Natur knappe drei Wochen im Rückstand. „In zehn bis 14 Tagen wird es aber einen Ruck geben, und die Pflanzen werden alles aufholen“, ist der Experte sicher. Darauf hofft auch Ulrich
Meyn. Ernste Sorgen um die Ernte macht er sich aber nicht. „Wir müssen ja von unseren Früchten nicht leben wie die Landwirte. Was dieses Jahr nicht wächst, kommt eben im nächsten wieder.“ Trotzdem freue man sich als Kleingärtner, wenn Pflanzen gedeihen und man die Früchte seiner Arbeit mit Genuss verzehren kann.

Kontakt zum Autor
m.greisert@nordkurier.de

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×