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Kreis Rostock beobachtet Seenplatte

Von unserem RedaktionsmitgliedMathias Greisert

Das Bildungs- und Teilhabepaket der Bundesregierung kommt in der Region Teterow nicht in allen Bereichen so an wie erwartet. Ob eine Bildungskarte mehr Kinder erreicht, soll aber erst mal der Nachbarkreis erproben.

Teterow/Güstrow.„Für unsere ländliche Region hat die Bundesregierung den Bedarf falsch eingeschätzt.“ Trotzdem zieht Rainer Boldt, 2. stellvertretender Landrat des Kreises Rostock, auf Nachfrage eine überwiegend positive Zwischenbilanz zum sogenannten Bildungs- und Teilhabepaket. Dieses soll Kinder aus einkommensschwachen Familien besonders fördern.
Rund 4,8 Millionen Euro hatte der Großkreis 2012 dafür zur Verfügung, nur etwas über die Hälfte davon wurde aber tatsächlich von bedürftigen Familien verbraucht. Dabei gibt es laut Rainer Boldt je nach Leistungsart auch in und um Teterow große Unterschiede, wie viele Kinder damit erreicht werden.
Das sogenannte Schulstarter-Paket etwa, insgesamt 100 Euro pro Schuljahr und -kind, komme bei allen Familien an, die Arbeitslosengeld II beziehen. Es wird ohne Antrag automatisch überwiesen. Wie alle anderen staatlichen Leistungen müssen die weiteren Zuschüsse aus dem Bildungspaket aber beantragt werden. Trotz dieser Hürde werden laut Boldt Leistungen wie der Zuschuss für Mittagsverpflegung in Kindergärten und Schulen sehr gut angenommen. Auch die Unterstützung für Tagesausflüge und Klassenfahrten bei Schulkindern werde schon von vielen der potenziellen Empfänger genutzt.
Völlig überschätzt wurde bei der Aufstellung des Budgets für das Bildungspaket der Bedarf bei der Förderung von Nachhilfeunterricht, sagt Rainer Boldt. „Einkommensschwach heißt eben nicht unbedingt bildungsschwach.“ Auch für Mitgliedschaften in Sportvereinen und Musikunterricht sei von Eltern viel weniger Geld beantragt worden als erwartet. Die dünne Besiedlung unserer Region bringe für viele Eltern und Kinder lange Wege zum nächsten Verein oder Trainingsplatz mit sich. Fahrkosten werden durch das Bildungspaket aber nicht gefördert. „Die Berliner Berufspolitiker sind vielleicht zu sehr auf Großstadtbedingungen geeicht, wo alles dicht beieinander liegt“, vermutet Rainer Boldt.
So sieht er die Gründe für die geringe Nachfrage für Sport- und Kulturzuschüsse auch nicht in zu komplizierten Verfahren der Kommune, wie sie der Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Matthias Crone, jetzt übergreifend kritisierte. Vielmehr gebe es beispielsweise bereits eine unkomplizierte Sammelregelung mit dem Kreissportbund. So habe sich die Kreisverwaltung auch erst im Herbst gegen die jetzt von Crone erneut vorgeschlagene Einführung einer Bildungskarte entschieden. In großer Runde mit Jobcenter, Schulen und Vereinen sei man zu dem Schluss gekommen, dass der Aufwand dafür zu groß wäre.
Dennoch ist das Thema nicht völlig vom Tisch. Besonders gespannt beobachte er den Nachbarkreis Mecklenburgische Seenplatte, der die Bildungskarte 2012 eingeführt hat. „Wenn es tatsächlich so ist, dass in anderen Kreisen damit wesentlich mehr Kinder erreicht werden, werden wir unsere Entscheidung natürlich überdenken“, so Rainer Boldt.

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