Der Windsbacher Knabenchor ist einer der vier deutschen Knabenchöre, deren Sänger in einem Internat untergebracht sind und deswegen täglich proben können. [RS_CREDIT] FOTO: Mila Pavan
Martin Lehmann wurde 1973 in der Stadt geboren. Mit seinen Eltern zog er fort nach Dresden und leitet ab diesem Monat einen der vier Knabenchöre mit täglichen Proben.
Malchin/Windsbach.Die Thomaner und der Dresdner Kreuzchor sind allen ostdeutschen Einwohnern ein Begriff. Spätestens in der Weihnachtszeit waren sie beim Chorsingen oder mit dem Weihnachtsoratorium im Fernsehen zu sehen. Und auch auf unzähligen Schallplatten und CD sangen sie Choräle, Motetten und weihnachtliche Weisen. Doch auch im ehemaligen „Westen“ gibt es zwei vergleichbare Knabenchöre, deren Sänger in Internaten wohnen und deswegen auch täglich proben können. Das sind die Regensburger Domspatzen und der evangelisch geprägte Windsbacher Knabenchor (Franken). Der letztere hat seit diesem Monat eine direkte Beziehung zu Malchin. Denn sein neuer Chorleiter ist in der Stadt geboren worden. An seine Kindheit in Malchin hat Martin Lehmann nur noch sehr wenige Erinnerungen. Kein Wunder, war er doch erst dreieinhalb Jahre alt als seine Eltern mit ihm und seiner ein Jahr älteren Schwester wegzogen. „Mein Vater Traugott Lehmann war Kieferorthopäde in Malchin“, erzählt Martin Lehmann. Seine Mutter Gisela Lehmann sei Apothekerin gewesen. Sie habe allerdings nicht lange in Malchin gearbeitet. Und weil der Vater eine Stellung in der Poliklinik in Dresden bekam, zog die Familie dorthin. Damit war auch ein Grundbaustein für Martin Lehmanns Knabenchor-Karriere gelegt. Er war nämlich neun Jahre lang Mitglied des Dresdner Kreuzchors. Später studierte er an der Musikhochschule in Dresden und anschließend das Fach Chorleitung. Lehmann leitete den Kammerchor „cantamus dresden“. Er erhielt das Rudolf-Mauersberger-Stipendium. Aufbaustudien folgten in den Bereichen Chorleitung und Orchesterdirigieren. Sein Konzertexamen beendete er „mit Auszeichnung“. Weitere Stationen auf Lehmanns Weg: die Schola Cantorum Leipzig, der Kinder- und Mädchenchor Leipzig und der Knabenchor Wuppertaler Kurrende. Eine Umstellung ist die neue Arbeit für Martin Lehmann auf alle Fälle. Denn mit dem Laienchor Wuppertaler Kurrende probte er nur zweimal die Woche. Die Windsbacher Knaben ruft er nun täglich zusammen. „An der neuen Aufgabe reizt mich die Intensität der täglichen Probenarbeit, die künstlerische Möglichkeiten eröffnet wie sie nur wenige Chöre bieten“, sagte der verheiratete Vater zweier Töchter. Über seine neue Anstellung freut er sich sehr. „Es ist schon toll und eine Ehre.“ Denn er tritt in die Fußstapfen des Karl-Friedrich Beringer, der den Chor für 34 Jahre leitete. Über Beiträge zu seinem Vorgänger im Internet, der extra hart mit den Kindern umgegangen sein soll, will er sich nicht äußern. Nur soviel: Beringer sei in allen Fällen freigesprochen worden. Ob sich noch viele Malchiner an den kleinen Martin Lehmann erinnern, das kann der heute 38-Jährige nicht sagen. Er nennt aber eine Patentante, die er noch oft besuchte, und vielleicht seine Kindergartenerzieherin. Die Stadt besuchte er vor ein paar Jahren mit seiner Familie während einer Radtour. „Um meinen Kindern zu zeigen, woher ich stamme“, sagte Lehmann. Kontakt zum Autor e.kruse@nordkurier.de