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Museum zapft Fördertöpfe an

VonSimone Pagenkopf

Die Teterower gucken, wo sie an Geld kommen. Nur peu à peu geht‘s mit der Ausstattung von Rats- und Polizeidienerhaus und Malchiner Tor voran.

Teterow.Munteres Stimmengewirr kündigt sie schon von weitem an. Die Mädchen und Jungen marschieren aus der Teterower Jugendherberge schnurstraks Richtung Museum. Leiterin Meike Jezmann hat in diesen Tagen so einige Gruppen im gerade erst wieder eröffneten Rats- und Polizeidienerhaus und Malchiner Tor zu Gast. Allein schon die alten Gemäuer und die tolle Sicht aus dem Tor locken, merkt sie und ist froh. Die Museumsräume können nämlich nur peu à peu eingerichtet werden. So wie Geld da ist. Das warb der Museumsverein zum Beispiel für die Zelle mit dem lebensecht nachgebildeten Gefangenen selbst ein. Jetzt liegen 25000 Euro vom Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur bereit. Im nächsten Jahr wollen die Teterower den Leader-Topf anzapfen, auch wenn sie da 20 Prozent kofinanzieren und die Mehrwertsteuer von 19 Prozent selbst tragen müssen. Das letzte Wort dazu haben die Stadtvertreter, die Ende des Monats noch einmal vor der Sommerpause tagen. Wolfgang Blanck (CDU) meint aber schon: „So lange wir Geld bekommen können, sollten wir das auch nutzen.“ Herward Müller (Die Linke) bemerkt: „Es ist wichtig, dass die Räume nicht lange Zeit leer stehen. Das wäre ja ein Bärendienst.“ Und klar ist allen: Ohne Fördergeld läuft nicht viel.
Es geht um rund 121500 Euro aus dem Leader-Programm, die Museumsleiterin Meike Jezmann für die Ausstattung des Malchiner Tores kalkuliert. „Das würde ich im nächsten Jahr gern machen.“ Das Konzept ist fertig. Die Stadt im Mittelalter, traditionelles Handwerk und die jüdische Geschichte will sie in der ersten Tor-Etage zeigen. Dabei bekommt dann auch das rote Stadtbuch als ältestes Schriftstück seinen Platz. „Wir müssen es nicht im Schrank lagern. Inzwischen ist es zweifach digitalisiert, man kann damit also auch arbeiten“, sagt Meike Jezmann. Die zweite Etage hat sie dem Ende 18. und 19. Jahrhundert vorbehalten, unter anderem mit dem Flair der Gründerjahre. Und unter dem Tordach soll das 20. Jahrhundert aufleben bis zur Wende. „Ich denke hier auch wieder an Hörstationen, gerade wenn es um die Nachkriegszeit geht“, so die Museumsleiterin. „Ich hoffe ja, dass es weiter geht“, weist sie auf die Geldnöte. „Sonst müssen wir erstmal kleinere Brötchen backen.“
Zuerst aber wird jetzt das Rats- und Polizeidienerhaus komplettiert und auch der Hof, wo dann unter anderem in Trogmühlen aus der Bronzezeit wieder Mehl gemahlen werden kann. Das kommt gerade bei Kindern gut an, weiß Meike Jezmann. Der Aktionstag „Teterow offen“ am 7. September wäre ihr Wunschziel, mit diesem Part fertig zu sein. Allerdings ist sie im Museum jetzt Einzelkämpferin. Die zweite Stelle wird nicht mehr besetzt, ist von Stadträtin Frauke Martens zu erfahren. „Wir versuchen, im nächsten Jahr über den Bundesfreiwilligendienst jemanden fürs Museum zu bekommen“, fügt sie hinzu. Zurzeit läuft über den Verein noch Bürgerarbeit, wegen Krankheit gebe es aber viel Ausfall.

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s.pagenkopf@nordkurier.de

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