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„Nur ein Drittel der Wehren einsatzbereit“

Gerrit Lange (rechts) ist seit zwei Jahren Amtswehrführer im Amt Stavenhagen - links Sven Lange.  FOTO: EckhardKruse
Gerrit Lange (rechts) ist seit zwei Jahren Amtswehrführer im Amt Stavenhagen - links Sven Lange. FOTO: EckhardKruse

Seit drei Jahren hat das Amt Stavenhagen auch einen Amtswehrführer. Gerrit Lange aus Kittendorf füllt diese Funktion jetzt seit zwei Jahren aus. Eckhard Kruse sprach mit dem 42-Jährigen über die Situation der Freiwilligen Feuerwehren.

Sind noch alle Wehren im Amt Stavenhagen einsatzbereit?
Jein. Am Tag nicht alle. Deswegen werden mehrere Wehren zusammen alarmiert. Aber nachts und am Wochenende im Großen und Ganzen ja.

Wo gibt es Schwierigkeiten mit einer ausreichenden Alarmierungsstärke?
Bei zwei Dritteln aller Wehren. Nur ein Drittel sind zur Zeit durchgängig einsatzbereit.

Lässt sich das gut abfangen, wenn mehrere Wehren gleichzeitig ausrücken?
Es lässt sich abfangen. Aber nicht jeder Tag ist gleich. Da gibt es Tage, wo drei Wehren fast in kompletter Besetzung anrücken. Aber es ist auch schon vorgekommen, dass drei Löschfahrzeuge mit jeweils zwei Mann an der Brandstelle ankommen.

Ist das ein Problem auf die Dauer? Oder lässt es sich gut händeln?
Auf die Dauer ist das durchaus ein Problem. Wenn drei Wehren gemeinsam alarmiert werden, stellt sich zum Beispiel die Frage: Was passiert, wenn ein zweiter oder sogar ein dritter Einsatz in diesen Ausrückebereichen notwendig wird. Man kann ja kaum eine Feuerwehr von der einen Seite des Amtsbereiches auf die entgegengesetzte Seite schicken. Auf die Kosten muss man ja auch gucken.

Wie kann man diese Situation verbessern?
Wir haben vor anderthalb oder zwei Jahren angefangen, verstärkt Frauen aufzunehmen. Den Anfang hat dabei Gülzow gemacht. Die Kittendorfer Feuerwehr hat schon neun Kameradinnen, die zu den Einsätzen auch mit raus fahren. Und seit zwei Wochen gibt es auch in Luplow sieben Frauen in der Wehr. Wenn das bei anderen Feuerwehren noch ein bisschen ernster genommen wird, dann haben wir da eine Möglichkeit, mehr Leute in die Wehren zu bekommen. Das ist aus meiner Sicht dringend notwendig, da wir nicht soviel Nachwuchs haben und auch keine Kameraden „von der Straße holen“ können. Wir sind richtig zufrieden, dass wir die Frauen in der Wehr haben. Viele denken zwar, sie können nicht viel ausrichten. Aber Frauen können richtig gut anpacken.

Wie sehen Sie auf die Vorschläge des Innenministers Lorenz Caffier, der ja unter anderem Zentralwehren ins Gespräch gebracht hat?
Vor allem einen seiner Eckpunkte können wir überhaupt nicht verstehen. Alles, was mit Zwang verbunden ist, lehnen wir ab. Man kann niemandem sagen: Ihr müsst jetzt in der Feuerwehr mitmachen. So was macht keiner. Das bringt auch nichts für die Feuerwehren. Wenn einer nicht will, dann will er nicht.
Laut Kommunalverfassung kann man aber zu ehrenamtlicher Arbeit angehalten werden.
Dann geht aber niemand gerne in die Feuerwehr. Solche Leute können auch Schaden anrichten. Unsere 15 Feuerwehren aus dem Amt Stavenhagen haben klipp und klar gesagt: Nein!

Wie denken Sie über die Idee der Zentralfeuerwehr?
Wir haben dieses Thema in der Wehrführerberatung lange diskutiert und sind zum Ergebnis „Nein“ gekommen. Es macht zum Beispiel wenig Sinn, dass Feuerwehrleute tagsüber an ihrem Arbeitsort mit zu Einsätzen ausrücken. Denn dann müssten sie in der Feuerwehr am Arbeitsort auch eine komplette persönliche Schutzausrüstung haben. Das ist noch nicht richtig durchdacht. Und der Kostenfaktor ist zu hoch und wer würde diese Kosten tragen?

Also ist Ihrer Meinung nach von den Minister-Ideen kaum etwas umsetzbar?
Ja und Nein. Helfen würde eher, die Firmen zu unterstützen, dass sie ihre Feuerwehrleute in ihren Betrieben auch zum Dienst beziehungsweise zum Einsatz lassen. Da sollte man über einen finanziellen Ausgleich für die Firmen durch das Land nachdenken.

Wie steht es sonst um die Feuerwehren des Amtes?
Seit es eine Amtswehrführung gibt, ist es in enger Zusammenarbeit zwischen den Wehren und den Ordnungsamt mit der Ausbildung stark nach vorne gegangen. Viele Kameraden waren vorher auch top ausgebildet. Aber es gab auch einige, die man noch einmal anstupsen und auf die Laufbahn-Richtlinien hinweisen musste, damit sie einmal einen Lehrgang besuchen. Vom heutigen Stand aus kann ich sagen, das die 15 Wehren unseres Amtes gut bis sehr gut ausgebildet sind.

Wo gibt es noch Knackpunkte, die die Wehren beschäftigen?
Wir wünschen uns mehr Lehrgangsplätze auf der Kreis- und Landesebene. Wir brauchen auch mehr Kameradinnen oder Kameraden, die als Atemschutzgeräteträger ausgebildet werden. Das ist ein sehr großes Problem. Denn wo es Geräte gibt, sind zum Teil keine Atemschutzgeräteträger da. In einigen Wehren fehlen Lkw-Führerscheine. Und wir fragten uns, warum diese nicht im Rahmen von Feuerwehrausbildungen erworben werden können. Erhebliche Probleme gibt es mit den Löschteichen in Ritzerow, Kastorf, Voßhagen und Klockow. Die müssen zum Teil ausgebaggert bzw. sogar neu angelegt werden.

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