Der Stein der Teterower in Fünfeichen [RS_CREDIT] FOTO: Kunz
Andreas Lange aus Teterow zum Artikel„Erinnern und vergeben“vom 10. Februar 2012:
Der Artikel ist eine Bedrückungsgeschichte und kein Tabu. Warum ich? Das ist die Frage tausender jugendlicher Insassen dieser Internierungslager, die sie, wenn sie denn überlebten, wohl später nicht mehr losließ. Der Geschichte nachzudenken ist immer die beste Form des Gedenkens der Opfer, jener Vernichtungsdrohung, der die einen – oft nur durch Glück und Zufall – entkamen, die anderen nicht. In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an einen Vortrag von Klaus Dieter Müller von der Stiftung Sächsischer Gedenkstätten. Weil der sowjetische Geheimdienst eine Parallele zum eigenen – durchaus erfolgreichen – Partisaneneinsatz hinter den deutschen Linien zog, in dem neben Frauen auch Jugendliche eine wichtige Rolle spielten, wollte man in der Sowjetischen Besatzungszone, so Müller, den nicht zuletzt durch die Propaganda vom „Sender Werwolf“ beschworenen Partisanenkrieg mit allen Mitteln unterbinden. Sehr schnell war klar, dass es solch einen Partisanenkrieg nicht geben würde und diese Form zumindest in unserer Region so nicht gab, jedoch: Ein Apparat, der etwas erwartet, muss finden. „So kam es dann zu den präventiven Massenverhaftungen wegen „Werwolfverdacht“. Eine Denunziation reichte für Lagerhaft. Auch die Insassen dieses Speziallagers des NKWD zahlten für den deutschen Angriffskrieg. Die deutsche Geschichte ist nicht teilbar. Das gehört zur grausamen Dialektik des Geschichtsprozesses. Leiderfahrungen haben völlig verschiedene Gesichter und stehen sich oft diametral gegenüber. Darüber zu sprechen, ist ein elementares Menschenrecht, Ausweis von Kultur des Umgangs in einer zivilen Gesellschaft. Alles andere ist aus meiner Sicht, die fortgesetzte Menschenverachtung von Ideologen.