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Reutermuseum Stavenhagen ruft das Tarnow-Jahr aus

VonEckhard Kruse

Bei den Mecklenburgern ist Rudolf Tarnow so beliebt wie Fritz Reuter. Er gilt als der zweitwichtigste plattdeut- sche Dichter im Land. Eine Ausstellung beleuchtet auch seine Schattenseiten.

Stavenhagen.Rudolf Tarnow im Fritz-Reuter-Literaturmuseum? Passt denn das? Natürlich! Denn das Stavenhagener Museum hat sich nicht nur dem Thema Reuter verschrieben, sondern ist Bewahrer der plattdeutschen Sprache insgesamt. Da ist es klar, dass auch der niederdeutsche Dichter Rudolf Tarnow zu Ehren kommt, der bei der Bevölkerung genauso beliebt war wie sein großes Vorbild. Schließlich jährt sich in diesem Jahr sein Todestag zum 80. Mal – am 19. Mai. Anlass für das Stavenhagener Museum, das Rudolf-Tarnow-Jahr auszurufen und sich intensiv mit dem im Parchim geborenen Dichter zu befassen.
Nicht nur in den monatlichen Lesungen werden Tarnow und seine Gestalten Köster Klickermann oder Karl Beggerow wieder „lebendig“. Die Museumsdirektorin Cornelia Nenz hat nach aufwendiger Recherche auch eine Wanderausstellung über Rudolf Tarnow erarbeitet, die gerade im Museum eröffnet wurde und die anschließend in andere Städte vergeben wird. Mit den zwölf Schautafeln, mit Fotos und Büchern wird aber nicht nur der Tarnow dargestellt, der humorvolle und gut zu lesende Geschichten und Läuschen reimte und der sich überall in Mecklenburg eine große Beliebtheit bei den Menschen erfreute.
Cornelia Nenz legt großen Wert darauf, auch die andere Seite von Tarnow zu zeigen. „Deswegen gibt es die Ausstellung nur mit mir zur Eröffnung“, erläutert sie – damit die stramme Sympathie Tarnows für den Nationalsozialismus nicht unter den Tisch gekehrt wird, damit gezeigt wird, dass Tarnow den Ersten Weltkrieg als nationalen Aufbruch für das deutsche Volk begrüßte und er auch Kaiser und Fürsten untertänig war, wie Gedichtausschnitte zeigen.
Erschreckend sind Beispiele wie das Loblied auf Hitler und das „Schutz- und Trutzlied der Braunhemden“, die die Museumsdirektorin im Norddeutschen Beobachter fand. In den „Kriegsbänden“ des „Burrkäwers“ von Tarnow fanden sich viele Verse, die sie als „hurrapatriotische Propaganda“ bezeichnet.
„Tarnows Weltbild war geprägt von seiner fast 20-jährigen militärischen Laufbahn“, schreibt sie. In seinem Leben als Soldat, Zahlmeisteraspirant und Betriebsinspektor in Schwerin habe er demokratische Gesellschaftsformen abgelehnt. Er wurde Mitglied der NSDAP, deren Haltung er geteilt und mit seinen Texten unterstützt habe.
Dem Ausstellungsbesucher wird auch der „Läuschen-Krieg“ näher gebracht, der sich 1921 durch Mecklenburger Zeitungen zog. Kritiker fragten, ob Tarnows Verse etwas mit Kunst zu tun haben. Sie werfen ihm „saftlose, fehlerhafte Sprache, schlechte Vers-Reimkunst“ vor. „So sind die Bauern noch dümmer als bei Reuter, nur Zielscheibe des Witzes.“
Auch einige Lehrer konnten nicht lachen – über die beliebte Gestalt des Köster Klickermann. So empfahl Rektor Jeppe in Stavenhagen den Lehrern, „sich den Köster Klickermann nicht gefallen zu lassen. Das wäre eine Beleidigung des ganzen Standes“, schrieb Tarnow an einen Freund.

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