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Spendengeld schmort 10 Jahre auf Stadtkonto

VonTorsten Bengelsdorf

Eine Wasserkraftanlage hatte der Bürgermeister im Jahr 2003 den Malchinern von den Geldgeschenken zu seinem 50. Geburtstag versprochen. Davon ist bis heute nichts zu sehen. Nun sattelt Jörg Lange um.

Malchin.Sie alle waren gekommen: Kommunalpolitiker, Wirtschaftsleute, Künstler und Vereinsmitglieder. Als Malchins Bürgermeister Jörg Lange (FDP) vor zehn Jahren zum Empfang anlässlich seines 50. Geburtstages eingeladen hatte, meldeten die Blumengeschäfte bald schon Engpässe. Viele Gäste hatten ihr Geschenk aber nicht mitgebracht, sondern – so wie es sich der Bürgermeister gewünscht hatte – Geld auf das Stadtkonto überwiesen. Mit diesen Spenden, so hatte Jörg Lange die Malchiner überrascht, solle eine Wasserkraftanlage an der Malchiner Stadtmühle aufgebaut werden, mit der das gesamte Gebäude mit Strom versorgt werden könnte. Dass die kleine Ostpeene dafür genügend Kraft hat, das geht aus Langes Diplomarbeit hervor, die er im Fach Betriebswirtschaft zuvor abgeliefert hatte.
Nun feiert der Bürgermeister in wenigen Monaten bereits seinen 60. Geburtstag. Doch von einem Strom liefernden Wasserkraftwerk an der Stadtmühle ist bis heute nichts zu sehen. Dabei hatte es der Museumsverein, der in der Stadtmühle sein Domizil hat, gar nicht erwarten können, dass er endlich kostenlos Strom bekommt. Was hat der Rathaus-Chef also mit dem Geld gemacht? Immerhin handelt es sich um 4232 Euro, die für die Idee des Bürgermeisters zusammengekommen waren.
Das Geld lag die ganze Zeit auf dem Stadtkonto, versichert das Stadtoberhaupt. Er habe einsehen müssen, dass das Wasserkraftprojekt vielleicht doch keine so gute Idee war. „Insgesamt hätte die Anlage zwischen 30 000 und 40000 Euro gekostet“, erläutert der Diplomphysiker. Er habe daran gedacht, über die Stadt einen Kredit aufzunehmen und den dann über die Einnahmen der Wasserkraftanlage zurückzuzahlen. Das sei dann aber wohl doch zu riskant gewesen.
Nun wolle er umsatteln, verriet der Bürgermeister. Von seinem Geburtstagsgeschenk von vor zehn Jahren habe er jetzt zwei Straßenlampen gekauft. „Die werden durch Photovoltaik angetrieben und sollen an einer dunklen Stelle an der Zachow-Turnhalle aufgestellt werden“, habe er verfügt. Am
30. April solle mit allen Spendern Einweihung sein.
Was sich der Bürgermeister im September zu seinem mittlerweile 60. Geburtstag wünscht, ist derweil noch völlig offen.

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t.bengelsdorf@nordkurier.de

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