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Spur der Steine führt von Schwerin nach Burg Schlitz

VonEberhard Rogmann

Eine alte Rechnung lenkt die Aufmerksamkeit der heutigen Betreiber einer alten Schleifmühle auf ein Kleinod im Herzen der Mecklenburgischen Schweiz.

Burg Schlitz.Glänzend blitzt der Stahl auf dem Granitblock in der Sonne. Jürgen Luttmann weiß, warum der Quader keinen Rost ansetzt. Als Parkführer lässt er alle Besucher die Hand auf den Stahl legen. Für diesen Ritus hat er eine plausible Erklärung: „Auf dem Metall stand einst eine Steinurne. Der in den Granit des so genannten Begrüßungssteines gemeißelte Spruch fordert den Besucher auf, all seine Sorgen der Urne zu übergeben, bevor er hinaufsteigt zum Schloss.“ Die Urne ist seit Langem verschwunden. Den Brauch hat Luttmann den Bedingungen angepasst.
Die zwei Dutzend Gäste, die er an diesem Maimorgen am Begrüßungsstein empfängt, kommen aus Schwerin, vom Stadtgeschichtsverein. Der Verein betreibt in der Landeshauptstadt eine historische Schleifmühle. Bei ihren Recherchen fanden die Schweriner Ende vergangenen Jahres heraus, dass vor 200 Jahren in der Mühle etliche Steine im Auftrag eines Grafen von Schlitz bearbeitet wurden. „Alte Rechnungen brachten uns auf die Spur. Und da liegt es nahe nachzuschauen, was von den Steinen geblieben ist“, erläutert Waldemar Leide. Er hatte diese Exkursion organisiert. „Ein Anruf bei Renate Hippauf ließ mich neugierig werden. Sie hatte berichtet, dass es im Park von Burg Schlitz noch etwa 60 der damals errichteten Steinmale gibt.“
Wer sollte das besser wissen. Hatte Frau Hippauf gemeinsam mit Jürgen Luttmann doch erst vor anderthalb Jahren einen Parkführer geschrieben, der auch die Geschichte des Grafen Hans von Schlitz erzählt. Der Erbauer von Burg Schlitz wurde vor 250 Jahren geboren. Er suchte mit dem Bau des Schlosses sowie der Parkanlage sein von Aufklärung und Empfindsamkeit geprägtes Ideal zu verwirklichen und hinterließ ein einzigartiges Kleinod im Herzen der Mecklenburgischen Schweiz. Die ihren Namen ebenfalls dem umtriebigen Grafen verdankt. Hans von Schlitz hatte in Johann August Wangel, dem Inspector der großherzoglichen Schleifmühle zu Schwerin, offenbar einen Gleichgesinnten gefunden, wie aus der langjährigen Zusammenarbeit zu schließen ist.
Die Freunde des Stadtgeschichtsvereins zeigten sich angetan von der Fülle der Steinsetzungen im Park und deren Arrangement. Sie hatten eigens den Fotografen Wolfgang Schmidt mitgebracht. Seine Aufnahmen sollen in einer Ausstellung nicht nur dokumentieren, dass Arbeiten der Schleifmühle eben auch im Osten Mecklenburgs zu finden sind. Sie sollen Fachleuten auch Aufschluss über die Technologie geben. „Wenngleich wir vom ersten Eindruck schon sagen können, dass hier sehr viel von Steinmetzen per Hand nachgearbeitet wurde“, konstatiert Waldemar Leide.

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e.rogmann@nordkurier.de

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