Fr. 08. Juni 2012
Drucken 
Überraschung von Torsten Bengelsdorf

Statt Bombenfund Exkurs in die Vorzeit

Die zahlreichen Bauarbeiten in Gnoiens Straßen begleitet ein Archäologe. Der ist jetzt auf manche Überraschung gestoßen. Möglicherweise erstmals auch auf einen Hinweis auf die alte Stadtmauer.

Gnoien (Torsten Bengelsdorf)  

Auf einen solchen Fund hat Olaf Meyer viele Monate warten müssen. Ein ganzes Jahr lang folgte er den Tiefbauern in der Mühlen- oder Heegerstraße, schaute sich genau an, wenn bei den Kanalarbeiten dunkelgefärbte Erdschichten freigelegt wurden, fand Knochenreste oder Keramikstücke. Doch Eisenteile waren nicht dabei. Olaf Meyer ist Grabungsassistent beim Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Und wenn in den vergangenen Monaten irgendeine Straße in der Gnoiener Altstadt aufgerissen wurde, dann war Meyer immer dabei. Als nun vor einigen Tagen die Kanalarbeiten in der Teichstraße begannen, musste der Archäologe gar nicht lange warten. Gleich an der Ecke zur kleinen Rosenstraße verfärbte sich die Erdschicht schon in einem Meter Tiefe. Darunter dann Keramikscherben, Tierknochen und dann nach Monaten doch ein Stück Metall – eine Messerklinge aus dem 14. oder 15. Jahrhundert. Ein Laie hätte dem verrosteten Ding wohl kaum besondere Aufmerksamkeit geschenkt.
Immer wieder schaut Meyer in diesen Tagen zur Warbelbrücke hinunter. Nicht wegen der Fliegerbombe, die hier liegen soll. Sein Interesse gilt mehr den mittelalterlichen Konflikten. Und da hatte die Warbel ganz in der Nähe der heutigen Baustelle schon einiges zu bieten. Zwei Kanonenkugeln aus dem Dreißigjährigen Krieg seien hier bei den Renaturierungsarbeiten entdeckt worden, berichtet Meyer. Dazu einige Flinten- und Pistolenkugeln. Auf einer der Kanonenkugeln fand sich sogar ein Stempel mit der Angabe des Gewichts.
Doch ein anderer Fund hat ihn noch viel mehr in Erstaunen versetzt. Als im vergangenen Jahr ein Anwohner in der Mühlenstraße seinen Hausanschluss selbst verlegen wollte, stieß er auf 60 bis 80 Zentimeter große Feldsteine im Boden. „So ein starkes Fundament hat kein Haus“, ist Meyer überzeugt und hegt seitdem einen Verdacht, den er nicht wieder los wird: War in der Mühlenstraße zwischen den Hausnummern 35 und 39 erstmals ein Stück der Gnoiener Stadtmauer freigelegt worden? Eine Stadtbefestigung, die bisher nur vermutet wurde, von der keine Aufzeichnungen mehr existieren und die wahrscheinlich nach einem der großen Stadtbrände verschwand. Ganz sicher ist der Archäologe nicht. „Ich hätte gern noch ein zweites Stück dieser Mauer gefunden, um gewiss zu gehen, dass es sich wirklich um die ehemalige Stadtmauer handelt“, sagt Meyer. Doch eine andere Erklärung, als dass es sich bei den Feldsteinen um die einstige Stadtbefestigung handeln müsste, hat der Experte nicht.
 

Bookmark and Share
Kontakt

Mecklenburger Schweiz


Büro Malchin
Mühlenstraße 2
17139 Malchin
Telefon: 0800 2092030 (kostenfrei)
Fax: 03994 2092-28
E-Mail red-malchin@nordkurier.de

Büro Teterow
Malchiner Straße 22
17166 Teterow
Telefon: 0800 2092030 (kostenfrei)
Fax: 03996 1513-28
E-Mail: red-teterow@nordkurier.de

Sportereignisse in Ihrer Region