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Statt Mai-Sonne wünschen Bauern sich reichlich Regen

Trotz Spätstart schon fast wieder im Rennen: Wie hier auf einem Feld bei Groß Markow bringen die Bauern der Mecklenburgischen Schweiz derzeit mit Hochdruck ihr Saatgut in die Furchen. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert
Trotz Spätstart schon fast wieder im Rennen: Wie hier auf einem Feld bei Groß Markow bringen die Bauern der Mecklenburgischen Schweiz derzeit mit Hochdruck ihr Saatgut in die Furchen. [KT_CREDIT] FOTO: Greisert

VonMathias Greisert

Die nötigen Pferdestärken haben sie unter der Haube. Für ihre gerade begonnene Aufholjagd müssen die Bauern der Mecklenburgischen Schweiz trotzdem auf Schützenhilfe der Natur hoffen.

Malchin/GroSS Markow.„Die Vegetation ist drei bis vier Wochen im Rückstand“, sagt Heike Müller vom Bauernverband Malchin. Immerhin habe die lange geschlossene Schneedecke den Landwirten aber massive Frostschäden am Wintergetreide wie im vergangenen Jahr erspart.
Im Gegenzug staut sich jetzt die Arbeit auf den Feldern. Zuckerrüben, Kartoffeln und Sommergetreide wären normalerweise schon längst im Boden, die Maisfelder für die Aussaat gedüngt und gepflügt. „Einige unserer Bauern wussten im März kaum noch, wohin mit der Gülle, weil sie sie nicht ausbringen konnten“, so Heike Müller. Die Betriebe seien aber gut dafür gerüstet, dass sich die Bestellung der Felder so zusammenschiebt und jetzt vieles gleichzeitig ansteht, versichert sie.
Arbeitsstau auch auf dem Grünland. „Unsere Wiesen haben wir sonst längst gestriegelt und gewalzt“, sagt Matthias Hantel vom Milchhof Alt Sührkow. Auch mit dem ersten Grünschnitt, normalerweise in vier bis fünf Wochen, wird es wohl nichts werden, schätzt der Vorsitzende des Bauernverbands Güstrow. Dass etliche Feuchtwiesen in den Niedermooren noch überflutet seien, entspreche aber der Jahreszeit. Trockenheit droht dagegen schon wieder auf den Äckern, zeigt Hantel auf einem seiner Schläge bei Groß Markow. Durch Sonne und Wind ahnt man nicht, dass hier vor wenigen Tagen noch Schnee lag. Wenigstens sei nicht so viel verdunstet, kann der Landwirt dem ungewöhnlich dunklen Frühlingsanfang etwas Positives abgewinnen. „Auch wenn es uns vielleicht nicht so vorkam, hatten wir in den letzten Wochen viel zu wenig Regen“, scharrt er mit dem Stiefel über den frisch gedrillten Boden.
Hafer und Sommergerste bringen seine Mitarbeiter Olaf Lipka und Thomas Volkmann hier gerade ein. „Zum Glück produzieren wir nur Saatgut, für Braugerste wäre es jetzt mit Sicherheit zu spät“, erklärt der Landwirt. Schon der Weizen habe durch das Winterwetter den richtigen Zeitpunkt zum Bestocken, also zum Verzweigen, verpasst. Geringere Erträge sind für die Landwirte der Region so schon jetzt programmiert.
Für das Landwirtschaftsjahr insgesamt sei aber noch nichts verloren, bleibt Matthias Hantel optimistisch. Noch in dieser Woche will er beginnen, den Mais zu legen. Und auch wenn das die meisten Nicht-Landwirte anders sehen werden, wünscht er sich jetzt wenig Sonne und einen kühlen feuchten Mai.
Die Natur wird in wenigen Wochen alles aufholen, ist auch Heike Müller gelassen. Nach dem Hagelschlag 2010, den sintflutartigen Regenfällen 2011 und Spätfrösten mit Trockenheit 2012 sei der Wunsch der Malchiner Bauern ganz einfach: „Mal wieder ein normales Jahr.“

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