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Stavenhagener Dichter mit dem Schalk im Nacken

VonEckhard Kruse

Fritz Reuter war nicht nur mit der Feder geübt, sondern auch ein Meister des Geschichtenerzählens, der die Zuhörer schnell auf seiner Seite hatte.

Stavenhagen.Dass Fritz Reuter bei seinen Zeitgenossen so beliebt war, das liegt nicht nur an seiner Fähigkeit, Romane und Verse in plattdeutscher Sprache zu Papier zu bringen. Seine Umgebung liebte auch seine Erzählkunst, die die Zuhörer kräftig zum Lachen herausforderte.
Dass Reuter nicht auf den Mund gefallen war, beweisen auch viele Anekdoten, die über Fritz Reuter erzählt und aufgeschrieben wurden. Gustav Ratz notierte zum Beispiel, wie der Dichter um eine Tracht Prügel herumkam. Der Malchiner Zimmermann Benduhn war nämlich ziemlich ärgerlich, als er sich in der Geschichte „Gruselige Geschicht“ wiedererkannte. Er wusste, dass er der „oll Herr Penkuhn“ ist. Er wollte nicht, dass sich jemand über ihn lustig macht. Der Zimmerer reiste nun nach Neubrandenburg und traf in einem Gasthaus auf Reuter, allerdings ohne zu wissen, wem er gegenüber sitzt. Behnduhn erzählte, dass Reuter Schacht kriegen soll, dass er die Engel läuten hören kann.
Reuter schenkte ihm fleißig ein und bestätigte ihn darin. „So’n Kirl“, sagte er, „de sick gegen den preußischen König verschwuren hadd, de Johrenlang up Festung seten hett un de dat in sin’n Oeller noch nix wieder bröcht het, als Bäuker tau smeren und ordentliche Lüd tau’n Narren to hollen.“ Der Malchiner fand immer mehr Gefallen an Reuter. Als der sich schließlich zu erkennen gab, war der Ärger des Zimmerers verschwunden. So einen prächtigen Kerl wollte er nicht mehr verprügeln. Sie schieden in Freundschaft.
An der mecklenburgisch-preußischen Grenze bei Grammentin verdiente sich Reuter mit Vaters Knecht 15 Taler. So wird erzählt, wie er dort einen „Schmuggler“ stellte. Dafür hatte sich allerdings der Knecht ausgegeben, der statt Zucker nur Spreu im Sack hatte. Vermutlich wurde das Geld geteilt.
Sehr originell war auch die Reaktion Fritz Reuters auf eine merkwürdige Zeitungsnachricht im Jahr 1858. Mehrere Blätter hatten nämlich vom Tod des Dichters berichtet. Darauf sandte Reuter eine Berichtigung an die Stettiner Zeitung: „Ih, woans – dod? – Ik denk nich dran, dat föllt mi gar nich in; nee, nee! So lang’ ik leben kann, will’k nich begraben sin.“

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