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Stavenhagener droht bei „Pfingstfeuer“ mit Anzeige

VonEckhard Kruse

Ein Anwohner will die Stadtverwaltung anzeigen, wenn die junge Vogelbrut der Amseln bei den verspäteten Osterfeuern zerstört wird.

Stavenhagen.Dass sich das Kreisumweltamt aus der Entscheidung um die nachträglichen Osterfeuer heraushält, gefällt dem Stavenhagener Wilfried Hundt gar nicht. Er wundert sich, dass das Ordnungsamt selbstständig entscheiden darf, ob Vögel in den Holzhaufen in Pribbenow, Jürgenstorf und Stavenhagen brüten und bei einer Fehlentscheidung die Jungen beim Umstapeln des Haufens gegebenenfalls getötet werden. „Meiner Meinung nach kann man das nicht so durchgehen lassen“, sagte er. „Wenn die Feuer angezündet werden, wird es von mir eine Anzeige geben.“ So sehen es offenbar viele andere Menschen. „Ich habe schon viel Zuspruch erhalten“, sagte Wilfried Hundt.
Der Stavenhagener ist sich sicher, dass in den Reisighaufen schon mehrere Amsel- und Drosselpaare brüten. „Sie füttern sogar schon“, betonte er. Das habe er bei den Nestern auf seinem eigenen Grundstück beobachtet. Wenn nicht umgestapelt wird, verbrennen alle Tiere, die sich dort versteckt haben. Wenn umgestapelt wird, gehen die Brut bzw. die Vogeljungen kaputt. „Das geht nicht, dass die Lust am Feiern an den Kreaturen ausgelassen wird.“ Die Stadt müsse endlich begreifen, dass auf dem Berg der Lebensfreude im Schloss nicht gemacht werden kann, was man will, sagte Wilfried Hundt.
In Jürgenstorf ist das verspätete Osterfeuer bereits abgebrannt worden. Doch wie der Stavenhagener Bürgermeiser Bernd Mahnke informierte, habe die Feuerwehr im Beisein des Ordnungsamtes den Holzstapel umgeschichtet und keine Vogelnester entdeckt. In Stavenhagen und Pribbenow liegen die Reisighaufen noch. Sie sollten wohl zu Pfingsten brennen.
In Stavenhagen hat sich die Stadt jetzt aber umentschieden. „Der Veranstalter ist nicht bereit, das Osterfeuer umzustapeln“, erläuterte Mahnke. Denn Letzteres hatte das Ordnungsamt gefordert. Dazu ist der Stapel mit 18 Meter Durchmesser und fünf Metern Höhe offenbar zwei Nummern zu groß. Deswegen wolle die Stadt die Zweige und Äste nun schreddern lassen. „Es werden Angebote eingeholt.“
Klar ist, dass dabei etwaige Nester ebenfalls zerstört werden. „Wir bemühen uns um eine Forstfirma“, erläuterte Ordnungsamtsleiterin Gisela Drews. Die Mitarbeiter würden sich in Fragen von Naturschutz und Tierschutz auskennen. Sie würden darauf achten, dass es keine brütenden Vögel in dem Haufen gibt. Wenn dies dennoch der Fall sei, müsse die Stadt neu nachdenken. Dann könnte das liegen gebliebene Osterfeuer zum Problem werden. Denn spätestens zum Landesschützenfest wollen die Kanoniere auf der Wiese wieder ihr Pulver verschießen.Doch wenn brütende Vögel gefunden werden, ist es per Gesetz verboten, die Holzstapel auseinander zu nehmen.
Eine Lehre hat die Stadt aus der Osterfeuerdiskussion schon gezogen. „Wir werden keine so großen Haufen mehr zulassen“, sagte der Bürgermeister.
Für ein Feuer in Pribbenow sei bisher kein Antrag eingegangen, so Mahnke.

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