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„Tanz ist mein Leben“

VonSimone Pagenkopf

Jubiläum – das feiern die kleinen und großen Tänzer der Teterower Musikschule mit Violetta Stavreva. Natürlich mit einer Show.

Teterow.„Niemand kann ihnen das nehmen, wenn sie ihren Applaus kriegen, dieses Gefühl muss man sich bewahren.“ Gerade noch hatte sie ihre Augen zu schmalen Schlitzen verengt, verfolgte genau jeden Schritt auf der Bühne. Jetzt leuchten sie, wie die ihrer Schützlinge. „Ich tanze alles mit, jede Bewegung geht durch meinen Körper bis in den Zeh“, bekennt Violette Stavreva, die alle eigentlich nur Vio nennen. Es sind ja auch ihre Choreografien, „die kann ich von vorn bis hinten“, kommentiert sie schmunzelnd dieses „Best of“. Genau so ist die Tanzshow nämlich überschrieben, die an zwei Abenden für einen ausverkauften Kulturhaussaal in Teterow sorgt. Eine Jubiläumsshow. Seit zehn Jahren leitet Vio die Tanzabteilung an der Musikschule in Teterow, unterrichtet rund 130 Eleven, Kinder und Erwachsene.
Die Jüngsten sind noch nicht mal vier Jahre. So wie Vio selbst, als sie das erste Mal in Tanzschuhe schlüpfte. „Meine Oma hat gesagt, Violetta tanz mal ein bisschen. Wir hatten ja nur Radio. Ich habe zur Musik getanzt und habe angefangen, den Rhythmus zu lieben“, denkt sie zurück. Vio wurde Tänzerin, feierte Erfolge am Nationaltheater in ihrem Heimatland Bulgarien, tanzte später am Volkstheater Rostock. „Aber mit der Karriere eines Tänzers ist es einmal zu Ende. Damit es weitergeht, habe ich Kosmetikerin gelernt. Aber das ist nicht meins. Mein Leben ist der Tanz. Ich habe das Glück, dass ich meinen Beruf weiter leben darf, hier mit ,meinen‘ Kindern.“ Dafür qualifizierte sie sich zusätzlich in Sozialpädagogik und Früherziehung. „Viel hat mich auch Renate Hippauf gelehrt“, erinnert sie an die ehemalige Leiterin der Musikschule.
Vios Blick wandert aus der Technik-Ecke durch den Saal. Natürlich sind es viele Eltern und Großeltern, die im Publikum sitzen, die ihr Kind tanzen sehen möchten. Die Jüngsten bezaubern allein schon in ihren Kostümen als chinesische Püppchen, die Größeren haben ihre Schläppchen auch schon gegen Spitzenschuhe getauscht. „Klassik ist das A und O“, steht für Vio fest, die Walzer, aber genauso Jazz oder Hip-Hop auf die Bühne bringt oder Bollywood in die mecklenburgische Kleinstadt holt. „Wir haben ein kleines Stückchen Professionalität reingebracht. Meine Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen zeigen, was sie bei mir gelernt haben, dass sie Freude am Tanzen haben. Und wenn ich die in ihren Augen sehe, habe ich auch Freude.“ Die sich denn doch mit Tränen mischt. Die Show ist auch ein Abschied. Einer von vielen in den zurückliegenden zehn Jahren. „Es ist schwer. Du hast sie von klein an, ärgerst dich, gehst mit ihnen durch die Pubertät, weißt von der ersten Liebe. Wenn alles gut und ganz toll geworden ist, musst du deine Hand aufmachen und loslassen. Und du musst cool bleiben. Nein, ihre Tränen versteckt Vio nicht. Es sind gleich sechs Tänzer, denen sie das Abschlusszertifikat überreicht, bevor diesmal der letzte Vorhang fällt: Dimitri Sonnengrün, André Jakovenko, Jakob Warkentin, Anna-Maria Wegner, Wigburg Brungs und Eileen Mathe. Außerdem ist Schlagzeuger Alexander Poeppel mit der Schule fertig.

Kontakt zur Autorin
s.pagenkopf@nordkurier.de

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