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Traum vom großen Investor in der Warbelstadt gilt inzwischen als abhakt

Vom Kirchturm ist das Gewerbegebiet am westlichen Stadtrand kaum auszumachen. Gnoien sieht seine Zukunft als Wohnstadt.  FOTO: archiv/Nordkurier
Vom Kirchturm ist das Gewerbegebiet am westlichen Stadtrand kaum auszumachen. Gnoien sieht seine Zukunft als Wohnstadt. FOTO: archiv/Nordkurier

VonEberhard Rogmann

Die Küstenautobahn A 20 sollte es richten. Hunderte Gnoiener hatten nach der Wende ihre Arbeitsplätze verloren. Die Verkehrsader sollte die Stadt wirtschaftlich beleben. Ein Trugschluss, wie sich zeigte.

Gnoien.„Wir können sofort mit der Erschließung loslegen, wenn jemand hier bauen will.“ Vor zehn Jahren hegte Bürgermeister Hans-Georg Schörner noch die Hoffnung, dass über die Autobahn A 20, die Gnoien quasi touchiert, millionenschwere Investoren seine Stadt für sich entdecken. Aber schon zwei Jahre später folgt die resignierte Feststellung: „Braucht Gnoien eigentlich noch eine Gewerbefläche von 15 Hektar?“ Begonnen hatte die Erschließung des Gnoiener Gewerbegebiet an der Rostocker Straße 1993. Relativ schnell bevölkerte sich der erste Bauabschnitt. Die dort entstehenden Arbeitsplätze konnten allerdings den zuvor eingetreten Verlust im Zuge der Wende bei weitem nicht kompensieren. Deshalb wies die Stadt einen zweiten Bauabschnitt aus. 30 Hektar insgesamt.
Doch niemand interessierte sich dafür. Fast schien es so, als wollte man sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf ziehen, indem die öffentliche Hand hier als erster Investor auftrat. Es entstand ein Betriebshof der kreiseigenen Busverkehrsgesellschaft. Das sollte Signalwirkung haben, aber die verpuffte. Das war’s dann. Der Bau eines Solarparkes im vergangenen Jahr wurde quasi als Erlösung angesehen. Es sei immerhin eine Nutzung, die ökologisch am verträglichsten sei, bekundete ein Stadtvertreter dazu. Auch finanziell bringe sie der Stadt etwas in die Kasse. Neben jährlichen Pachteinnahmen von etwa 20000 Euro können man in einigen Jahren mit Gewerbesteuern von ca. 50000 Euro rechnen.
Dennoch hat die Sache einen Haken – Arbeitsplätze bringt der Solarpark nicht. Demzufolge stagniert auch die Bautätigkeit im Wohngebiet Warbelniederung auf der anderen Straßenseite. Nur zögerlich besiedelten Häuslebauer das zwölf Hektar umfassende Areal. Ein millionenschwerer Kredit für den Ladenhüter belastet bis heute den städtischen Haushalt.
An Vermarktungsinitiativen hat es nicht gefehlt. Die wohl spektakulärste geht in das Jahr 2005 zurück. Damals stand die Verlegung der Flugabwehrraketengruppe 24 von Oldenburg nach Bad Sülze bevor. Anlass für den Bürgermeister zur „Offensive 2007“ zu blasen. Bauwilligen Soldaten wurde in Gnoien quasi in Reichweite ihrer Ausbildungsstellung Bauland mit einem Sonderrabatt von 25 Prozent angeboten. Die Offerte galt bis 2007, zum Stadtjubiläum 750 Jahre Gnoien. Die Resonanz auf das Lockangebot war verhalten, der erhoffte Bauboom blieb aus.
Längst backt die Stadt kleinere Brötchen. Jetzt sucht der DRK-Kreisverband Bauland, um eine Anlage für betreutes Wohnen zu errichten.

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