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Trotz Anklage: Zündelt der Verdächtige noch weiter?

VonTorsten Bengelsdorf

Eine unglaubliche Beobachtung hat ein Zeuge beim Brand im ehemaligen Malchiner Betonwerk gemacht: Er will vor Ausbruch des Feuers jenen Mann gesehen haben, der ab nächster Woche wegen einer Brandserie vor Gericht steht.

Malchin.Nach Brandstiftung sah das eigentlich nicht aus: Ein völlig vertrockneter Streifen Ödland, auf dem eine Menge Glasscherben liegen, kann sich im Licht der prallen Nachmittagssonne auch schon einmal selbst entzünden. So dachte am Mittwochnachmittag jedenfalls auch manch Feuerwehrmann, als über dem Malchiner Industriegelände eine riesige Rauchwolke aufstieg. Doch schon bei den Löscharbeiten kamen Zweifel: Wie nur konnte das Feuer so rasch auf eine der alten Betonwerk-Ruinen übergreifen, so dass die Flammen beim Eintreffen der Kameraden bereits aus dem Dach schlugen?
Schnell machte dann auch noch ein Gerücht die Runde: Ein Zeuge habe noch vor Ausbruch des Brandes auf dem Areal genau jenen jungen Mann bemerkt, der ab der kommenden Woche wegen des Verdachts mehrerer Brandstiftungen vor Gericht steht.
Dass der 17-Jährige hier tatsächlich gesehen wurde, bestätigt inzwischen auch die Staatsanwaltschaft. Ob das allerdings tatsächlich unmittelbar vor dem Brand war oder erst während der Löscharbeiten, da wollte sich Staatsanwalt Ulf Levermann nicht festlegen. Das könnte aber entscheidend sein. Der Verdächtige ist nämlich weiterhin Mitglied der Feuerwehr. Und war am Mittwochnachmittag beim Löschen dabei.
Nach Informationen unserer Zeitung streitet der 17-Jährige weiterhin alle Taten ab. Ihm werden eine Serie von Müll- und Papiercontainer-Bränden, aber auch drei schwere Brandstiftungen in Malchin zur Last gelegt.
Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Andreas Hammermüller, kündigte für den Prozess vor dem Demminer Amtsgericht bereits eine Reihe von Entlastungszeugen an. Zu bestimmten Zeiten könne der junge Mann in Malchin gar nicht gezündelt haben. So etwa, als er drei Tage im Krankenhaus gelegen habe, und im Stadtgebiet trotzdem ein Papiercontainer in Flammen aufging. Und auch als der Verdächtige bereits unter Beobachtung der Ermittler stand, habe die Feuerwehr wenigstens einmal ausrücken müssen. Der Ausgang der Gerichtsverhandlung, die wegen des noch greifenden Jugendstrafrechts nicht öffentlich sein wird, ist damit völlig offen.
Nicht viel weiter gekommen sind die Ermittler offenbar auch mit den beiden anderen jungen Männern, die bereits gestanden haben, vor drei Wochen einen Holzverschlag am Malchiner Bahnhof angesteckt zu haben. Dabei war eine vierköpfige Familie nur knapp dem Feuertod entgangen (der Nordkurier berichtete).
Die Hoffnung der Kripo, dass den beiden 17 und 22 Jahre alten Malchinern noch weitere Brandstiftungen nachzuweisen wären, hat sich offenbar bisher nicht erfüllt. Sie sollen sich derzeit gegenseitig beschuldigen, wer auf die Idee gekommen war, den Lattenverschlag anzuzünden. Die beiden waren bis vor kurzem noch Feuerwehrleute. Laut Wehrführer Andreas Mohrholz hätten sie aber inzwischen selbst eingesehen, dass sie in den Reihen der Kameraden nichts mehr zu suchen haben.

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