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Wald-Premiere: Wicki und die starken Bäume

Kleine Revolution in den Wäldern der Mecklenburgischen Schweiz: Die neue Berge-Raupe von Forst-Dienstleister Thomas Seifried ist so waldschonend wie ein Pferd, aber viel kräftiger. [KT_CREDIT] FOTO: Mathias Greisert
Kleine Revolution in den Wäldern der Mecklenburgischen Schweiz: Die neue Berge-Raupe von Forst-Dienstleister Thomas Seifried ist so waldschonend wie ein Pferd, aber viel kräftiger. [KT_CREDIT] FOTO: Mathias Greisert

Von unserem RedaktionsmitgliedMathias Greisert

Als erster Förster in Norddeutschland setzt Holger Weinauge vom Waldverein Bansow in der Nähe von Burg Schlitz auf eine besonders waldschonende neue Maschine aus der Schweiz.

Hohen Demzin.Waldbesitzer Holger Weinauge ist ganz aufgeregt. „Sie ist die perfekte Ergänzung zu unseren Pferden“, sagt der Vorsitzende des Waldvereins Bansow begeistert. Mit „Sie“ meint er das neu entwickelte Raupenfahrzeug des Schweizer Forst-Dienstleisters Wicki Forst AG, das in seinem Wald bei Burg Schlitz gerade einen mächtigen Buchenstamm bis an den Weg zieht. Rücken nennen das Forstleute. Und genau das ist die Spezialität der „Wicki-Raupe“. Für die Holzernte in den unwegsamen Wäldern des Alpenstaates entwickelt, kommt das kleine Kraftpaket auch bestens in der Mecklenburgischen Schweiz zurecht. Ihr Heckschild in den Boden gestemmt, kann die Wicki-Raupe mit ihrer Seilwinde bis zu sechs Tonnen ziehen. Der Einsatz bei Burg Schlitz ist ihr erster in Norddeutschland überhaupt.
Kirsche, Ahorn und Eiche hat Holger Weinauge hauptsächlich eingeschlagen. Besonders dicke und schwere Stämme, die als Möbel- und Furnierholz gute Preise erzielen werden. Dazu einzelne Buchen, die durch ihr gutes Holz den besonderen Anforderungen für die Herstellung von Eis-Stielen genügen.
So rechnen sich für Holger Weinauge die höheren Rücke-Kosten mit der Wicki-Raupe. „Dieses wertvolle Holz könnten wir sonst aus feuchten und schwer zugänglichen Wäldern gar nicht bergen“, sagt der Forstingenieur.
Profitieren sollen vom Einsatz der kleinen Schweizerin aber auch kommende Generationen. Denn anders als die sonst üblichen großen Maschinen richtet sie beim Ziehen der Stämme kaum Schäden am Waldboden an. Mit den üblichen Maschinen wäre hier alle 20 Meter eine auf Jahre zerfahrene Schneise, erklärt Weinauge. „Mit der Raupe stören wir das Ökosystem nur minimal und der natürliche Nachwuchs wird geschont“, streicht er lächelnd mit der Hand durch die hüfthohen Bäumchen. „Unsere Urenkel sollen ja auch noch etwas ernten können.“
Um Forst-Dienstleister Thomas Seifried aus Varchow bei Penzlin die Anschaffung der Raupe zu erleichtern, hat der Waldverein Bansow ihm eine Rücke-Menge garantiert. „Er soll ja auch gar nicht so schnell in anderen Wäldern arbeiten“, klopft Weinauge ihm lächelnd auf die Schulter. Auf den 4900 Hektar, die die 78 Mitglieder des Waldvereins in ganz Mecklenburg-Vorpommern bewirtschaften, warte noch eine Menge schwer zugängliches Holz.

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m.greisert@nordkurier.de

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