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Zapfhahn im Torgewölbe bleibt ein Hirngespinnst

VonEberhard Rogmann

Kühne Visionen und verlockende Geschäftsideen kennzeichneten die Aufbruchstimmung in den 1990er-Jahren. Manches erwies sich als Illusion, die ebenso schnell verschwand, wie sie gekommen war.

Teterow.Angekettet bei Wasser und Brot – so sitzt er da, der Häftling im Malchiner Tor. Mit der aufwendigen Sanierung des hier untergebrachten Museums, hat die Stadt Teterow wahrlich eine Attraktion geschaffen. Kaum beachtet bleibt dagegen das Pendant des Tores am nördlichen Stadtausgang – das Rostocker. Für Besucher der Stadt ist es oft nur einen Schnappschuss wert, eben das Gegenstück zum Museum. Das könnte anders sein. Vor zwei Jahrzehnten beglückte Wilfried Paegelow die Teterower mit einer bizarren Idee. Für die er einen Werbeslogan gleich mitlieferte: „Rostocker Pils im Rostocker Tor“. Wortgewandt entwickelte er seine Vision. Das Tor sollte eine Bierbar beherbergen. Auf mehreren Etagen säßen die Gäste beim Pils oder Bock in einem rustikalen Ambiente. Selbstredend wäre auch ein kleiner Imbiss zu haben. Vor allem aber hätte man von dort oben eine einzigartige Aussicht. Wilfried Paegelow ließ es bei seiner bizarren Vision nicht bewenden. Als ein Mann der Tat stellte er einen Investor vor, der seine Bereitschaft bekundete, die Idee gemeinsam mit der Rostocker Brauerei zu verwirklichen.
Was in der Bevölkerung noch interessierte Resonanz fand, stieß im Rathaus allerdings auf kühle Distanz. Ganz nüchtern verwies Bauamtsleiter Anselm Wolter auf eine Vielzahl von Problemen. Die reichten von der Statik über die Beheizung bis zu den Normen für gastronomische Einrichtungen, die in der Enge des Tores kaum zu verwirklichen wären. Ob dies den Ausschlag gab oder der Investor anderenorts mit weniger Vorbehalten konfrontiert war? In Teterow jedenfalls verabschiedete er sich. „Heute denke ich: Ganz gut so“, bekennt Dr. Christian Kunz. Er wohnt nicht nur direkt am Tor. Durch sein Arbeitszimmer führt der einzige direkte Zugang in das historische Gemäuer. „Anfangs habe ich mich für die Idee mit der Bierbar durchaus erwärmen können. Doch wenn ich heute die Situation der Gastronomie in der Stadt sehe, denke ich, es ist besser, dass daraus nichts wurde.“
Verwaist ist das Tor übrigens nicht. Hier ist die Kinderstube von Falken. Die Umweltbehörde hat für die unter Schutz stehenden Vögel eigens Brutkästen im Tor anbringen lassen.

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