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Zum Polit-Talk in Kyoto

Von unserem RedaktionsmitgliedEberhard Rogmann

Japaner verfolgen am Beispiel Teterows höchst aufmerksam, wie man in Deutschland die Energiewende auf kommunaler Ebene angeht.

Teterow.Einen offiziellen Charakter gewann die jüngste Japanreise von Teterows Bürgermeister Reinhard Dettmann. Bei der Planung noch stand der private Charakter im Vordergrund. Eingeladen hatte ihn der Künstler Mitsuo Fukada nach Kyoto. Dort allerdings empfingen den Mecklenburger zwei Politiker, der Oberbürgermeister der alten Kaiserstadt, Daisaku Kadokawa, sowie Yukiko Kada, die Gouverneurin der Präfektur Shiga, zum Meinungsaustausch. Dabei ging es keineswegs um reine Höflichkeitsgesten, vielmehr bekundeten die Japaner ein starkes Interesse an der Energiewende in Deutschland. „Insbesondere wollten sie wissen, wie eine Kleinstadt mit dieser Problematik umgeht und auf alternative Energien umschwenken kann“, präzisiert Dettmann. Die Neugier war groß, zumal die dortigen Verhältnisse im Umgang mit Energie sich deutlich von den hiesigen unterscheiden. In Japan gibt es mehr als 50 Kernkraftwerke und wenige Großkonzerne haben quasi ein Monopol auf dem Markt. „Einen Wechsel des Stromanbieters, wie es bei uns seit einigen Jahren gang und gäbe ist, kann man sich dort nicht vorstellen. Verwunderung erregte auch, dass wir kommunale Stadtwerke betreiben, die eine feste Größe bei der lokalen Energieversorgung sind“, berichtet der Teterower. Während seines Gastaufenthaltes habe er deutlich beobachten können, dass Energiesparen in Japan bei weitem nicht den Stellenwert hat wie hier in Deutschland. „Der Strom ist dort noch viel zu billig. Das wird sich aber ändern, denn mit dem Ausstieg aus der Kernenergie muss das Land in Größenordnungen Öl, Gas und Kohle importieren.“ Überrascht habe ihn, wie dezidiert sich die Politiker auf seinen Besuch vorbereitet hatten und über Teterow informiert zeigten. Das blieb nicht die einzige Überraschung. Die nächste folgte auf den Fuße bei einem Wiedersehen mit drei Mönchen in der Tempelanlage Daitokuji. Sie hatten vor einigen Jahren die Bergringstadt besucht. Ganz stolz wies einer auf eine Teterow-Plakette an seiner Kutte, die ihm seither ein ständiger Begleiter ist. „Es hat mich sehr beeindruckt zu sehen, wie der Diskurs der Religionen seit dem Besuch unserer St. Peter und Pauls Kirche ihnen in lebendiger Erinnerung geblieben ist“, gesteht Dettmann.

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