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Ägypter brennt weiter für italienische Küche

VonIngmar Nehls

Perspektivisch muss sich San Giovanni ein neues Restaurant suchen. Bis zum Jahresende allerdings ist er für seine Gäste, die er mit Handschlag begrüßt, noch im Füllortweg da.

Neubrandenburg.„Ja, wir sind am Ende der Welt“, gibt Gamal Ahmed Attia offen zu. Gamal Ahmed Attia? Der Ägypter ist in der Viertorestadt und auch weit darüber hinaus nur als San Giovanni bekannt. So heißt sein Restaurant im Füllortweg und so heißt auch er oder die Rolle, die er mit Herz und Leidenschaft gibt.
Als sich 1998 die Türen öffneten, fragten sich viele Leute, wer auf die verrückte Idee kommt, in dieser abgelegenen Ecke ein Restaurant aufzumachen. San Giovanni hat jetzt aber schon 15 Jahre durchgehalten. Sein Erfolgsrezept: guter Service und er selbst. Das Energiebündel begrüßt die Gäste mit Handschlag und einem fröhlichen Lächeln. Das kommt gut an bei den Mecklenburgern. „Kochen können viele“, weiß San Giovanni.
Er selbst ist aus der Not heraus in die Gastronomie gerutscht. Im April 1989 erfüllte sich der damals 30-Jährige seinen Traum von Europa und flog zu Freunden nach Westberlin. Dort fing der studierte Betriebswirt in einem italienischen Restaurant als Tellerwäscher an und arbeitete sich vom Küchenhelfer zum Koch hoch. Durch Zufall landete er bei einem Koch aus Süditalien. „Von Carlo habe ich sehr viel gelernt“, sagt San Giovanni. Ein ägyptisches Restaurant würde sich außer vielleicht in Berlin wohl kaum halten, meint er. 1996 fing „San Giovanni“ zunächst bei einem Italiener am Lindenberg an, bevor er sein eigenes Restaurant aufmachte.
Dass er mittlerweile schon deutlich über 50 Jahre alt ist, merkt man ihm nicht an. „Er ist immer unter Strom. Er kann gar nicht anders“, sagt seine Lebensgefährtin Jenny Lüthke, die sich um den Service kümmert. Fischgerichte, Pizza und die Pasta di Giovanni, das sind die Spezialitäten des Hauses. In der Mitte des Gastraums steht ein Brunnen mit Goldfischen, der Kinder magisch anzieht. Bei dem Familienvater San Giovanni sind die kleinen Kunden die Könige. Kein Kind muss artig und still am Tisch sitzen.
Nur mit einem neuen Standort werden sich die Stammkunden anfreunden müssen, denn die ehemalige Kaufhalle soll zu altersgerechten Wohnungen umgebaut werden (der Nordkurier berichtete). Noch besteht der Mietvertrag von San Giovanni aber und so lange wird er auch mit Freude und Energie den Kochlöffel in der Oststadt schwingen. Wenn die Immobilie im nächsten Jahr umgebaut wird, dann soll nicht Schluss sein. „Wir bleiben in Neubrandenburg. Das ist meine neue Heimat. Ich suche dann einen anderen Standort“, verspricht San Giovanni.
Immer wieder werden Gaststätten in Neubrandenburg geschlossen, Betreiber wechseln. Es ist Bewegung im Gastronomiemarkt. Von einem Retaurantsterben kann man aber nicht sprechen, denn nach Auskunft der IHK ist die Zahl der Gaststätten relativ konstant. Aktuell gibt es 185 Gastronomiebetriebe. Das sind 8 Hotels, 6 Ferienunterkünfte, 58 Restaurants,5 SB-Restaurants, 40 Imbiss-Stuben, 9 Cafés, 9 Eissalons, 34 sonstige, 13 Schankwirtschaften und 3 Diskotheken. Vor 5 Jahren waren es noch insgesamt 177 Betriebe.

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i.nehls@nordkurier.de

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