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Alle dreieinhalb Minuten ein Einbruch

VonMartin Fischer

Deutschland wird zum Eldorado für Diebe. Noch bevor Innenminister Friedrich die neueste Kriminalitätsstatistik vorlegt, dringen Opfer-
schützer auf mehr Vorbeugung.

Berlin/Mainz.Opferschützer haben Politik und Wirtschaft zu mehr Vorbeugung gegen Kriminalität aufgerufen. Die Organisation Weißer Ring reagierte mit dieser Forderung auf vorab bekanntgewordene Zahlen zu Wohnungseinbrüchen in Deutschland. Die Zeitung „Welt am Sonntag“ hatte unter Berufung auf die neueste Kriminalitätsstatistik der Polizei berichtet, die Zahl der Einbrüche sei 2012 verglichen mit dem Vorjahr um 8,7 Prozent auf
144117 gestiegen. Das entspräche einem solchen Delikt alle dreieinhalb Minuten.
„Die psychischen Folgen von Wohnungseinbrüchen werden total unterschätzt“, betonte der Weißer-Ring-Sprecher Veit Schiemann in Mainz. „Viele Bestohlene verlieren das Vertrauen in ihre Wohnung. Oft haben sie auch Angst, dass der Einbrecher wiederkommt oder jemanden schickt. Die Folgen können von Schlafstörungen bis zu schweren Traumata reichen.“
Schiemann forderte Politik und Wirtschaft auf, mehr für die Vorbeugung zu tun: „In Deutschland wird nicht mal ein Euro pro Bürger und Jahr für die Prävention vor Kriminalität ausgegeben.“ Anbieter von Sicherheitstechnik könnten über günstigere Angebote nachdenken. „Die Wohnungen in Deutschland sind nicht gut gesichert“, sagte der Sprecher. Dabei sei die polizeiliche Beratung dafür kostenlos.
Schiemann riet Wohnungsinhabern, ihre Wertgegenstände für den Fall der Fälle zu fotografieren und schriftlich aufzulisten. Empfehlenswert sei auch, eine unsichtbare Sicherheitspaste aufzutragen. „Die hat eine DNA zum Identifizieren der Gegenstände“, erklärte der Sprecher des Weißen Rings.
Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) will die neuen Zahlen der Polizei vorstellen. Laut Medienberichten waren im vergangenen Jahr mehr als
61000 Einbrecher tagsüber gekommen (plus 9,5 Prozent). Die Zahl der Raubüberfälle in Wohnungen habe mit 3025 Fällen um 3,9 Prozent zugenommen. Zugleich würden nur wenige Einbrüche aufgeklärt – bundesweit 15,7 Prozent.

Diebe bevorzugen Villen und Einfamilienhäuser
Besonders stark ist die Zahl der Wohnungseinbrüche den Angaben zufolge in Niedersachsen gestiegen – plus
24 Prozent binnen Jahresfrist. Deutlich über dem Bundesschnitt liege auch Brandenburg mit 17 Prozent mehr Einbrüchen sowie Hamburg (plus 9,4 Prozent) und Berlin (plus 11,7 Prozent). In der Hauptstadt trifft es den Berichten zufolge immer öfter die Bewohner von Villen und Einfamilienhäusern – dort habe der Zuwachs 2012 bei 32 Prozent gelegen. „Die neuesten Zahlen sind alarmierend. Die Kosten für Einbruchschäden haben mit rund 470 Millionen Euro einen neuen Rekord erreicht“, sagte der Vorsitzende der Hauptgeschäftsführung des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft, Jörg von Fürstenwerth. Das seien 50 Millionen Euro oder zwölf Prozent mehr als 2011. Die Schadenssumme sei hoch, weil sich „in immer mehr Haushalten teure elektronische Geräte wie Laptops, Tablet-PCs und Smartphones befinden“. Im Schnitt liege die Schadenssumme bei 3300 Euro pro Einbruch (Vorjahr 3050 Euro).
Die Täter bleiben dem Bericht zufolge meist unerkannt. Während die Aufklärungsquote bei der Gesamtkriminalität 54,4 Prozent (minus 0,3 Prozent) betrage, liege sie beim Wohnungseinbruch nur bei 15,7 Prozent (minus 0,5 Prozent). Der Bund Deutscher Kriminalbeamter bezeichnet Deutschland als „Eldorado für Einbrecher“. „Die Täter gehen weiterhin glücklichen Zeiten entgegen“, sagte der Vorsitzende André Schulz. Ein Grund
dafür seien Personaleinsparungen.

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