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Alleingang bei Gemeindefusion kritisiert

VonPaulina Jasmer

Über den vermeintlichen Alleingang des Grischower Bürgermeisters in der Arbeitsgruppe, die sich mit neuen Gemeindestrukturen befasst, sind die Gemeindevertreter verärgert. Sie fühlen sich übergangen

Grischow.„Ich hasse es“, sagt Gemeindevertreter Dietmar Lauf. Er meint damit die Maßnahmen, die derzeit im Zusammenhang mit den Ideen zu Gemeindefusionen laufen. Und diesen Unmut verhehlt er auch nicht auf der jüngsten Gemeindevertretersitzung in Grischow. „Aber wir können uns nicht wehren“, sagt Harms Frese darauf. Diese Aussagen werden gemacht, noch ehe Bürgermeister Peter Driemecker seine Abgeordneten überhaupt darüber informiert, dass er bereits an einer Beratung der Arbeitsgruppe teilgenommen hat, die sich mit möglichen neuen Gemeindestrukturen im Amtsbereich befasst. Sie lädt alle Bürgermeister nacheinander zu Einzelgesprächen ein, um Meinungen und Vorstellungen einzuholen (Der Nordkurier berichtete).
Dass der Bürgermeister zum Gespräch war, obwohl sich die Gemeinde Grischow noch gar nicht zur neuen Gemeindestruktur positioniert hat, überrascht die Abgeordneten. Sie hätten sich vorher damit befassen müssen, meint Harms Frese. Der Bürgermeister sieht aber in seinem Handeln nichts Falsches. Es sei schließlich in den Gesprächen nichts entschieden worden, schon gar nicht von seiner Seite. Er habe sich alles erst einmal anhören wolle. Daraufhin informiert er die Gemeindevertreter, dass sich laut der Arbeitsgruppe derzeit eine „4+1“-Variante mit einem eigenständigen Altentreptow und vier größeren Gemeinden herauskristallisiere. Er sei gefragt worden, was in der Gemeinde Grischow besonders erhaltenswürdig sei. „Viel wichtiger ist für mich aber auch die Frage der Mitbestimmung in einer Großgemeinde“, so der Bürgermeister, der die Frage im Beratungsgespräch angeregt haben will. Fakt sei für ihn persönlich aber, dass der Gemeinde Grischow kaum eine andere Wahl bleibe, als zu fusionieren, weil sie so wenige Einwohner hat – im Moment rund 250.
Was in dem Beratungsgespräch erörtert wurde, empfinden die Gemeindevertreter als Alleingang. Sie meinen, der Bürgermeister hätte keine Position vertreten können, weil er die Position der Gemeinde gar nicht wisse. „Ich wollte doch nur mal hören, was man sich in der Kommission vorstellt, dann können wir doch noch immer entscheiden“, rechtfertigt sich Driemecker. Er trifft damit aber auf wenig Gegenliebe bei den Abgeordneten. Christine Stein als sachkundige Einwohnerin fordert eine Positionierung der Gemeinde und gibt zu bedenken: „Wenn wir hätten fusionieren wollen, hätten wir doch schon damals mit der Gemeinde Werder zusammengehen und 500 000 Euro, die uns in Aussicht gestellt wurden, haben können. Das wollten wir nicht. Denn wir wollten eigenständig bleiben“, erinnert sie. Sie warnt davor, sich eine Lösung oder Meinung überstülpen zu lassen.

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