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Alt werden in Meckpomm ist kein Zuckerschlecken

Eingeschränkte Mobilität und ein hohes Sicherheitsbedürfnis plagen die Senioren.  FOTO: Marijan Murat
Eingeschränkte Mobilität und ein hohes Sicherheitsbedürfnis plagen die Senioren. FOTO: Marijan Murat

VonIris Leithold
undRobert Kiesel

Auf der einen Seite die Belange der Jungen und Familien, auf der anderen die der Senioren – Heike Polzin steht zwischen allen Stühlen. Nun kassiert sie herbe Kritik.

Schwerin/Neubrandenburg.Finanzministerin Heike Polzin (SPD) steht wegen ihrer Seniorenpolitik in der Kritik. Sowohl vom Regierungspartner CDU als auch von der oppositionellen Linkspartei kam am Freitag der Vorwurf, Polzin plane die Landes-Finanzen an den Bedürfnissen der Älteren vorbei. Das Ministerium hatte der Enquetekommission des Landtags „Älter werden in MV“ einen Bericht zur Finanzplanung vorgestellt.
Die Belange der Senioren müssten stärker berücksichtigt werden, forderte die Obfrau der Christdemokraten in der Kommission, Maika Friemann-Jennert. So müsse bei der Wohnraumförderung der Schwerpunkt auf den Bau altersgerechter Wohnungen gelegt werden.
Die Linke-Obfrau Karen Stramm kritisierte Polzin wegen Kürzungsplänen bei der Polizei. „Es wird behauptet, dass bei weniger und älteren Einwohnern auch weniger Polizei notwendig sei“, sagt sie. Das Finanzministerium blende damit die Lebenswirklichkeit im Land aus.
Zustimmung erntete Stramm von Helmut Pratzel, dem Vorsitzenden des Kreisseniorenbeirats Mecklenburgische Seenplatte. „Das Thema öffentliche Sicherheit und Ordnung spielt eine große Rolle, schließlich sind die Älteren diejenigen, die besonders durch Kriminelle bedroht sind“, sagte Pratzel. „Einen weiteren Abbau bei der Polizei darf es auf keinen Fall geben.“ Auch bei den Themen Wohnraumförderung und Mobilität sieht er Handlungsbedarf. „Es wird in den kommenden Jahrzehnten eine Verdopplung des Bedarfs an altersgerechten Wohnungen geben, da muss gehandelt werden.“ Auch kämen die Alten nicht mehr dahin, wo sie hinwollen: „Das ist ein großes Problem."
Eines, von dem auch Herbert Kautz ein Lied singen kann. Als Vorsitzender des Seniorenbeirats Vorpommern-Greifswald sagt er: „Die Ausdünnung des ÖPNV kombiniert mit den ständigen Preissteigerungen führen dazu, dass die Älteren von den Dörfern kaum wegkommen.“ Der sonntägliche Gottesdienstbesuch falle für viele flach, „weil der erste Bus erst kurz vor zehn Uhr fährt.“
Im Landkreis Vorpommern-Greifswald sind von den angesprochenen Problemen besonders viele Menschen betroffen, liegt der Anteil der über 65-Jährigen an der Gesamtbevölkerung bei rund 30 Prozent. Damit übertrifft er schon jetzt Prognosen der Landesregierung, denen zufolge im Jahr 2020 ein Viertel der Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns älter als 65 Jahre sein wird.

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