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Alte Stasi-Kämpfer sorgen auch im Norden für Zoff

Undifferenzierte Geschichtsdarstellung: Militärstreife in alter Uniform bei der 750-Jahrfeier in Ueckermünde 2010.  FOTO: Frank Wilhelm
Undifferenzierte Geschichtsdarstellung: Militärstreife in alter Uniform bei der 750-Jahrfeier in Ueckermünde 2010. FOTO: Frank Wilhelm

Nach dem Aufmarsch Dutzender Frauen und Männer in NVA- und Stasi-Uniformen sieht die Junge Union (JU) Mecklenburg-Vorpommerns sogar Erwin Sellering (SPD) gefragt. Der Ministerpräsident müsse sich für ein „Verbotsverfahren zu DDR-Symbolen, die in besonderer Weise für das SED-Unrechtsregime stehen“, einsetzen, erklärte der JU-Vorsitzende Robert Liskow. Für die Opferverbände sei es ein Schlag ins Gesicht, dass ehemalige Funktionäre immer noch ungestraft in ihren Uniformen aufmarschieren dürfen. Anlass der Aufregung: Ein Aufmarsch vor dem sowjetischen Ehrenmal in Berlin am 9. Mai – darunter auch Teilnehmer in der Uniform des MfS-Wachregiment „Feliks Dzierzynski“.

Für Wolf-Dieter Ringguth, Parlamentarischer Geschäftsführer der CDU-Fraktion im Landtag, handelt es sich um „eine bewusste Aktion gegen die 1989/90 erkämpfte Demokratie“. Solche Aufmärsche müssten in Zukunft verhindert werden. Damit sieht sich Ringguth auf einer Linie mit Volker Kauder, Fraktionschef der CDU im Bundestag, oder auch Hubertus Knabe, Leiter der Stasiopfer-Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen, der ein Bußgeld für das Tragen von DDR-Fahnen fordert. Auch Marita Pagels-Heineking, Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, meldet scharfe Kritik an dereindeutig politischen Aktion an.

Für Peter Ritter, innenpolitischer Sprecher der Linksfraktion, ist der „regelmäßig auftretende Ein- und Anfall von CDU- und anderen Politikern weder neu noch durchdacht, schon gar nicht dient er dem objektiven Umgang mit der DDR-Geschichte“. Absurd sei die Idee, wenn sie damit begründet werde, dass auch das Zeigen von NS-Symbolik verboten sei.

Unterdessen hält das Interesse an der untergegangenen DDR an. Inge Gräser, Leiterin des DDR-Museums in Malchow, registriert einen ständig steigenden Besucherstrom. Etwa 25000 Gäste zählt das Museum pro Jahr. Von politischen Demonstrationen wie jetzt in Berlin hält sie auch nicht viel. Die Präsentation der Symbole als „Zeugen der Zeit“ gehöre aber in ein Museum.

 

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