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Apotheker hat eigenes kleines Stadtarchiv

VonIngmar Nehls

Was stand früher an dieser und jener Ecke in der Oststadt? Ein Apotheker im Ruhestand kann diese Fragen beantworten. Er lebt seit 40 Jahren in dem Viertel und hat tausende Artikel über seine Heimatstadt gesammelt und sortiert.

Neubrandenburg.Helmut Raedel sagt von sich, dass er kein großer Redner ist. Tatsächlich wirkt der 75-Jährige eher zurückhaltend. Pikt man ihn aber mit einem Thema an, das ihn interessiert, dann sprudeln die Geschichten nur so aus ihm heraus. Der Apotheker im Ruhestand ist eine echte Quelle Neubrandenburger Heimatgeschichte. „Die Gegenwart regt mich auf“, sagt Raedel und schimpft über Bauarbeiten und andere aktuelle Stadtthemen.
Das Interesse an seiner Geburtsstadt und sein kritischer Geist sind der Grund für sein eigenes kleines Stadtarchiv. Raedel hat mehrere tausend Zeitungsartikel gesammelt und viele Jahre das Stadtbild fotografiert. In Apothekermanier hat er alles ganz ordentlich sortiert und ein Verzeichnis angelegt. So kann Raedel zu bestimmten Plätzen oder Bauwerken relativ schnell in seinem Fundus nachsehen.
Die Sammelfreude von Helmut Raedel und seine Genauigkeit kommen Heidrun Hiller vom Stadtteilbüro in der Oststadt zugute. Heidrun Hiller möchte gemeinsam mit interessierten Bürgern thematische Stadtteilspaziergänge durch die Oststadt planen und durchführen. Ein erstes Treffen mit Mitstreitern hat es bereits gegeben (der Nordkurier berichtete).
Auch Helmut Raedel nahm an der Runde teil und brachte gleich nach wenigen Tagen die erste Zuarbeit in das Büro. Er hat alle Straßennamen aufgelistet und Informationen über die Namensgeber recherchiert. Als er 1972 mit seiner Familie in die noch junge Oststadt zog, gab es zum Teil noch keine Straßennamen, erzählt Raedel. Über 40 Jahre wohnt er schon in dem Viertel. Für einen Spaziergang durch den Stadtteil unter dem Motto „Bedeutung und Herkunft der Straßennamen“ hat er die Grundlage gelegt.
Von der Idee der Spaziergänge inspiriert, hat Helmut Raedel sogar ein Konzept für eine größere Tour geschrieben mit Fotos, Informationen, einleitenden Gedanken und sogar eigenen Gedichten. Weil der fleißige Apotheker im Ruhestand aber kein großer Redner ist, möchte er seine Zuarbeit zur Verfügung stellen, nicht aber den Stadtführer geben. Heidrun Hiller hofft, dass Helmut Raedels beispielhaftes Engagement auch weitere Anwohner ansteckt. Am 2. Mai um 18 Uhr lädt sie wieder in das Stadtteilbüro zu einem zweiten Treffen ein.

Kontakt zum Autor
i.nehls@nordkurier.de

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