Nordkurier.de

Auftragsstau am Bau: Überstunden nach Dauerfrost

Von unserem RedaktionsmitgliedJörg Spreemann

Die viermonatige Zwangspause im Winter zehrt an der finanziellen Substanz der Branche.

Neubrandenburg.Auf dem Bau muss in den kommenden Wochen kräftig in die Hände gespuckt werden. „Auf die Kollegen kommt ein Haufen Arbeit zu“, blickt Jörg Dahms, Branchensekretär der IG Bau, voraus. Ein solch frostiger Winter, in dem die Arbeit im Freien vier Monate lang geruht habe, sei sehr ungewöhnlich. Das werde ohne die Forderung der Arbeitgeber nach Überstunden kaum abgehen, ahnt der Gewerkschafter.
„Wir setzen darauf, dass wir schnell aus den Puschen kommen“, hofft Jörg Schnell. Der Geschäftsführer des Bauverbandes in Mecklenburg-Vorpommern kennt die Folgen der winterlichen Zwangspause für die Branche, die im Land rund 16 000 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Finanzlage der Firmen ist angespannt“, macht er klar. Für Projekte, die im Dezember wegen des Wintereinbruchs nicht mehr abgeschlossen werden konnten, sei kein Geld geflossen. Für neue Aufträge wiederum, die jetzt begonnen werden sollen, müssten die Unternehmen in Vorkasse gehen.
Trotz des verspäteten Baustarts hofft Schnell in diesem Jahr noch auf eine „schwarze Null“ beim Umsatz auf den Baustellen – während bundesweit sogar eine leichte Steigerung erwartet werde. Insbesondere die fehlenden Aufträge aus den Kommunen drückten die Umsatzzahlen.
Aus Sicht von Schnell sind die Jobs auf dem Bau sicher und attraktiv. Diese Botschaft solle von der heutigen Mitgliederversammlung des Bauverbandes in Rostock ausgehen. Die Branche stehe vor der Aufgabe, ihre Fachkräfte zu sichern. An der Bezahlung könne es nicht liegen, wenn der Berufsnachwuchs rar mache. „Mit 10,25 Euro Mindestlohn die Stunde stehen wir gut da“, findet er.
Dieser Aussage überhaupt nicht anschließen mag sich Gewerkschafter Dahms. „Die Schere zu den tatsächlich gezahlten Löhnen in West-Baufirmen öffnet sich weiter“, kritisiert er. Deswegen wachse die Gefahr, dass Bauarbeiter zu Arbeitgebern im Westen wechselten. Dahms nennt die Forderung der IG Bau, die in den derzeit laufenden Tarifverhandlungen ein Lohnplus von 6,6 Prozent durchsetzen will, längst überfällig.

Mehr zu diesen Themen
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×