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Aus eins mach zwei und schließlich drei

Die Freie Erde druckte dieses Bild der Drillinge Matthias, Raimund und Stefan (v. l.) ab, als sie in der Badeanstalt ihren zweiten Geburtstag feierten. Das kleine Bild rechts stammt von Hannelore Begrows 70. Geburtstag vor drei Jahren. Hinter ihr und ihrem Mann Ferdinand stehen die Söhne Christian, Matthias, Raimund, Stefan und Lutz (v.l.). [KT_CREDIT] FOTOS: NK/privat
Die Freie Erde druckte dieses Bild der Drillinge Matthias, Raimund und Stefan (v. l.) ab, als sie in der Badeanstalt ihren zweiten Geburtstag feierten. Das kleine Bild rechts stammt von Hannelore Begrows 70. Geburtstag vor drei Jahren. Hinter ihr und ihrem Mann Ferdinand stehen die Söhne Christian, Matthias, Raimund, Stefan und Lutz (v.l.). [KT_CREDIT] FOTOS: NK/privat

Von unserem Redaktionsmitglied
Anke Brauns

Um die in Rostock geborenen Drillinge gab’s einen Riesenwirbel. Hannelore Begrow wusste erst eine Woche vor der Geburt, dass es drei werden.

Altentreptow.Drei Frauenärzte, drei Hebammen, vier Kinderärzte, vier Krankenschwestern und zwei Anästhesisten im Kreißsaal: Hannelore Begrow kann nur ungläubig den Kopf schütteln, wenn sie den Artikel liest, der vor kurzem im Nordkurier über eine „Ungewöhnliche Geburt von Drillingen in Rostock“ zu lesen war. Ungewöhnlich, weil sie nicht als Frühchen, sondern mit einer „noch nie dokumentierten Reife“ geboren wurden. Da muss die 73-jährige Altentreptowerin schon ein bisschen schmunzeln. Als drei ihrer fünf Söhne 1965 im Viertelstundentakt auf die Welt kamen – ohne künstliche Befruchtung und Kaiserschnitt – war neben zwei Hebammen noch ein Assistenzarzt anwesend. Und die Jungs brachten kaum weniger auf die Waage als die Rostocker Drillinge: Stefan 2300 Gramm, Matthias 2180 Gramm, Raimund als Letzter mit 2700 Gramm. Sie wünsche der Drillingsmutter und ihren Kindern natürlich alles Glück der Welt, aber den Trubel um die Geburt könne sie nicht so richtig verstehen, sagt sie.
Hannelore Begrow selbst hat die Geburtsgewichte ihrer Drillinge nicht mehr gewusst. „Die Wiegekarten haben die Jungs bei ihrem Auszug mitbekommen“, erzählt sie. Aber ein Anruf bei den Söhnen genügte. Und der genügt nicht nur in diesem Fall. Wenn die Eltern rufen, stehen die Söhne auf der Matte, schwärmt die Altentreptowerin von ihrem Nachwuchs. „Ich hab’ schon gute Kinder“, sagt sie. Klar, hat sie sich damals auch ein Mädchen gewünscht, aber es sollte nicht sein. „Ich hab’ ja zwei Enkeltöchter.“
Lutz, ihr Ältester, war um die zwei, als sie vor 48 Jahren erneut schwanger wurde. Der 12. August 1965 war als voraussichtlicher Geburtstermin errechnet worden. Bei einer Untersuchung im fortgeschrittenen Schwangerschaftsstadium mutmaßte die Hebamme, es könnten auch zwei Kinder werden. Man schickte Hannelore Begrow zum Röntgen, um Sicherheit zu haben. Beim Röntgentermin rund eine Woche vor der Geburt habe sie lange warten müssen. Dann wollte man sie nach Hause schicken. Das Ergebnis sollte sie sich bei der nächsten Schwangerenberatung abholen, aber da streikte Hannelore Begrow. „Ich hab’ gesagt, jetzt hab’ ich so lange hier gesessen, jetzt will ich es auch wissen, sonst weiß es die halbe Stadt vor mir“, erzählt sie. Wie sie auf die Drillings-Nachricht reagiert hat, weiß sie gar nicht mehr so genau, aber sie habe es ziemlich ruhig aufgenommen, genau wie ihr Mann Ferdinand. „Wir fanden immer, gesund ist wichtig“, sagt sie.
Am 6. August kamen die Drillinge im Krankenhaus in der Bahnhofstraße zur Welt, „der erste mit dem Kopf zuerst, die anderen beiden mit den Füßen“, erinnert sie sich. Theoretisch hätten die Kinder wenige Tage nach der Geburt mit nach Hause gekonnt, „aber wir hatten noch keine Wohnung, deshalb kamen sie nach Greifswald in die Klinik“, erzählt sie. Anfang Oktober gab’s endlich eine Zweiraumwohnung für die kinderreiche Familie. 1971 wurde der jüngste Sohn Christian geboren, zwei Jahre später begann die Familie mit dem Hausbau. Als die Drillinge vier waren, bekam Hannelore Begrow Kindergartenplätze und fing wieder an zu arbeiten.
Ob die Belastung damals nicht sehr groß war? Hannelore Begrow klagt nicht, „das musste man meistern“ und sie habe auch viel Unterstützung bekommen. Zum Beispiel von Verkäuferinnen, die ihr Kindersachen in dreifacher Ausführung weglegten. Sieben Enkel und zwei Urenkel haben die Begrows inzwischen. Vier ihrer Söhne sind in Altentreptow geblieben, „der Große wohnt auf Usedom“. Besonders freut sie sich, dass sich die Söhne bis heute gut verstehen. „Und alle haben Arbeit.“

Kontakt zur Autorin
a.brauns@nordkurier.de

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