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Baumschnitt ohne Erlaubnis wird teuer für Transportfirma

Der nächtliche Trafo-Transport in dieser Woche wird nicht der letzte sein. [KT_CREDIT] FOTO: privat
Der nächtliche Trafo-Transport in dieser Woche wird nicht der letzte sein. [KT_CREDIT] FOTO: privat

VonAnke Brauns

Für den ungenehmigten Baumschnitt vorm Trafo-Transport muss die Firma umfangreiche Pflegemaßnahmen übernehmen. Weitere Schwerlaster zum Umspannwerk sind angekündigt.

Grapzow.Der große Trafo ist gut angekommen im Umspannwerk bei Kessin. Sein Transport aber wird Folgen haben. Weil es das beauftragte Unternehmen versäumt hat, den Schnitt zahlreicher Bäume entlang Grapzower Gemeindestraßen für die Durchfahrt des sechs Meter hohen Transportes von der unteren Naturschutzbehörde genehmigen zu lassen (der Nordkurier berichtete), muss es nun die Kosten zahlreicher weiterer Pflegemaßnahmen tragen. Man habe festgelegt, „dass an den betroffenen Bäumen ein zusätzlicher Kronenpflegeschnitt erfolgt, so dass die Symmetrie der Baumkronen wieder hergestellt ist“, sagte Ines Kranzow, Sachgebietsleiterin Naturschutz Landschaftspflege im Umweltamt, auf Nachfrage.
Zusätzlich solle ein Jungbaumschnitt an den Neuanpflanzungen zwischen der
L 273 und der Ortslage Grapzow erfolgen. Ein Totholzschnitt an allen betroffenen Alleebäumen zwischen der
L 273 und Kessin sei ebenfalls vorgesehen. Eine Fachfirma soll diese Baumschnittmaßnahmen in Abstimmung mit der unteren Naturschutzbehörde ab dem Spätsommer auf Kosten der Transportfirma übernehmen.
Wie die Sachgebietsleiterin erklärte, war der Baumschnitt in dem Umfang genehmigungsfähig – aber eben auch genehmigungspflichtig. Er sei der Naturschutzbehörde aber nicht bekannt gewesen. Damit widersprach Ines Kranzow noch einmal der Behauptung des Auftraggebers Enercon, dass der Baumschnitt von der Naturschutzbehörde genehmigt worden sei. Entgegen der Aussagen von Enercon sei auch kein Vertreter der Behörde bei einer gemeinsamen Streckenbegehung im Vorfeld dabei gewesen. Ob gegen das Transportunternehmen wegen der ungenehmigten Schnittmaßnahmen ein Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet wird, werde noch geprüft, so Ines Kranzow.
Fest steht jedenfalls schon, dass dies sicher nicht der letzte Schwerlasttransport Richtung Grapzow und Kessin gewesen ist. „Das Umspannwerk befindet sich derzeit im Aufbau. Es wird daher nach dem erfolgten Trafo-Transport weitere Transporte geben“, kündigte Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald an. Zudem sei auch der dritte Bauabschnitt des angrenzenden Windenergieprojekts noch nicht abgeschlossen, so dass auch für dieses Bauvorhaben weitere Schwertransporte zu erwarten seien.
Rund 50 Windenergieanlagen sind für das Eignungsgebiet Altentreptow Ost genehmigt oder noch in der Genehmigungsphase. Die Firma Windprojekt, der größte Investor in dem Gebiet, hat von ihren 28 beantragten Anlagen etwa drei Viertel errichtet, sagte Projektleiter Marcus Heinicke. Einige Anlagen seien noch im Bau. Dadurch, dass mit dem Rückzug der Bundeswehr vom Flugplatz Trollenhagen einige Beschränkungen entfallen, nehme man noch eine „Lückenbebauung“ mit einigen wenigen Anlagen in den Randbereichen des Eignungsgebietes vor. Eine Voraussage, wieviele Windräder in dem Gebiet noch errichtet werden können, ist nach Auskunft des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt nicht möglich. „Über weitere Planungen und Vorhaben gibt es keine Informationen. Wenn entsprechende Anträge eingehen, müssen diese geprüft werden“, so Amtsleiter Heinz Beisheim.

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a.brauns@nordkurier.de

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