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Bei Metallern klingelt Kasse meist nicht

VonJörg Spreemann

Ab Juli gelten in der Branche höhere Löhne, doch in der Region sind so gut wie keine Unternehmen tarifge-
bunden. Einige schließen sich aber den Vorgaben an.

Neubrandenburg.Die vereinbarten Lohnsteigerungen in der Metall- und Elektroindustrie fließen in der Mecklenburgischen Seenplatte und in Vorpommern nur im Ausnahmefall auf die Konten der Mitarbeiter. „Wir haben hier kaum Unternehmen mit Tarifbindung“, bedauert Guido Fröschke, Bevollmächtigter der IG Metall in der Region. Lediglich der Elektronik-Hersteller ADTRAN in Greifswald, Nachfolger von Nokia Siemens Network, zahle seinen Beschäftigten ab Juli das Gehaltsplus von 3,4 Prozent, berichtet Fröschke. Ein Teil der Unternehmen orientiere sich bei der Entlohnung seiner Mitarbeiter aber an dem zu Wochenbeginn erzielten Tarifabschluss, der ab Mai 2014 eine weitere Erhöhung von 2,2 Prozent vorsieht.
Schnell reagiert hat aber der Neubrandenburger Autozulieferer Webasto, der als Hersteller von Standheizungen rund 700 Mitarbeiter beschäftigt. „Wir sind zwar nicht tarifgebunden, schließen uns aber an allen deutschen Standorten den 3,4 Prozent an“, erläutert eine Sprecherin in der Firmenzentrale in Stockdorf bei München. Über den zweiten Schritt werde erst im kommenden Jahr entsprechend der wirtschaftlichen Lage entschieden.
Die Mecklenburger Metallguss in Waren, mit 220 Beschäftigten einer der weltgrößten Hersteller von Schiffspropellern, werde mit der IG Metall wie in den vergangenen Jahren über die Einzelheiten einer Anerkennung verhandeln, so Geschäftsführer Manfred Urban. „Im Vordergrund steht für uns der Erhalt von Arbeitsplätzen“, nennt er als Prinzip.
Laut vereinbarter Tariftabelle erhält ab Juli ein Jungfacharbeiter in der Metallbranche 2636 Euro im Monat. Das entspricht einem Stundenlohn von knapp 16 Euro. „Weil wir als Gewerkschaft zu schwach auf der Brust sind, zahlen nur wenige diesen Tarif“, so Gewerkschafter Fröschke. „Die heutigen Verträge zwingen kein Unternehmen mehr in ein enges Tarifkorsett“, erklärt Peter Haas, Sprecher des Arbeitgeberverbandes Nordmetall. Er appelliert an die Firmen, Vorurteile gegenüber den Tarifvereinbarungen abzulegen. Für schwierige Situationen gebe es Öffnungsklauseln.

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