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Bio-Lehrer entdeckt einen der letzten „Wasserhelfer“ aus China tot im Gras

Ein Karpfen im Gras, doch kein Graskarpfen, sondern ein sogenannter Silberkarpfen.   Foto: panckow
Ein Karpfen im Gras, doch kein Graskarpfen, sondern ein sogenannter Silberkarpfen. Foto: panckow

VonSilke Voß

Einen nicht alltäglichen Fund machte Manfred Panckow. Es ist ein asiatischer Silberkarpfen, wie er einst zu Tausenden im Tiefwarensee schwamm.

Waren.Eigentlich wollte Manfred Panckow nach Frühblühern und Wildkräutern suchen, statt dessen fiel ihm etwas anderes auf, das der starke Westwind ans Ostufer des Tiefwarensees in Waren getrieben hatte: Ein großer Fisch. Der naturinteressierte ehemalige Biologielehrer drehte das tote, schon halb skelettierte Tier mit Hilfe eines Stockes um und wusste: Das ist ein sehr alter Karpfen. Doch kein ihm bekannter Böhmischer-, Lausitzer-, Leder-, Schuppen-, Spiegel-, Zeilen-, Gras- oder Marmorkarpfen. Nein, das musste ein Silberkarpfen sein, den tief liegenden Augen und der totalen Beschuppung nach zu urteilen. Panckow überlegte: „Bei dieser Länge – er maß stolze 86 Zentimeter – und damit einem Alter von rund
45 Jahren könnte er einer der Karpfen sein, die, aus China kommend, schon um 1970 im Tiefwarensee eingesetzt wurden.“
Und richtig. Marko Kastner vom Müritzeum bestätigte, dass es sich um ein solches mittlerweile seltenes Exemplar handelte. Bis zur maximalen Körperlänge fehlten nur 14 Zentimeter, sein Gewicht könnte 35 Kilo erreichen. Der Fisch könne bis zu zwei Meter hoch springen. Und Manfred Panckow holte weitere Recherchen ein. Ulrich Paetsch von den Müritzfischern wusste, dass die Silberkarpfen Ende der 1960er-Jahre aus der damaligen Sowjetunion in die DDR eingeführt wurden, wo sie, ursprünglich aus China stammend, sich zunächst in sächsischen Gewässern eingewöhnten, um dann planktonfressenderweise die Wasserqualität des Tiefwarensees zu retten. Bis zu 20 000 Silberkarpfen wurden etappenweise hier in Waren eingesetzt.
Ein großes Fischsterben Anfang der 1990erJahre allerdings setzte diesen Plänen ein Ende. „Die Masse der damals wohl tausenden bereits 25 Jahre alten und recht großen Tiere drohte den Abfluss des Tiefwarensees über den Herrensee zur Binnenmüritz zu verstopfen. Mit vereinten Kräften wurde der Schaden durch Fischer, Feuerwehr und viele Helfer behoben.“
In China wird der Silberkarpfen in Polykultur mit anderen Fischarten aufgezogen und besitzt eine hohe ökologische Bedeutung. Das Fleisch ist mager und wohlschmeckend.

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s.voss@nordkurier.de

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