Januar 11, 2012
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Forstwirtschaft/Jagd von Redaktion

„Bleifreie“ Jagd ab 1. April Pflicht im Nationalpark

Von unserem Mitarbeiter
Karl-Heinz Engelund
unserem Redaktionsmitglied
Thomas Beigang

Die Verwendung bleihaltiger Jagdmunition ist in die Kritik geraten. Ihr wird mittelbar der Tod von Seeadlern angelastet. Die Jäger sollen deshalb bleifreie Patronen verwenden, fordern Umweltverbände.

Waren/Neubrandenburg.Auf die ballistischen Eigenschaften lassen die Jäger nichts kommen. Bleihaltige Munition bewirkt den raschen, schmerzfreien Tod der Beute. Der Nachteil aber: Sie hinterlässt im Wildkörper, vor allem auch in den Eingeweiden Splitter und Abriebpartikel. Der so genannte Aufbruch wird indes gern von Füchsen, Kolkraben und Greifvögeln gefressen. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf. Seeadler reichern das Schwermetall Blei in ihrem Körper an, was schließlich zu Siechtum und Tod führt. Das hat vor einigen Jahren das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin herausgefunden. Nach Angaben von Volker Spicher vom Müritz Nationalpark sind mehr als die Hälfte der im Schutzgebiet seit 1998 gefundenen Adler an Bleivergiftung verendet.
Umweltverbände fordern seit längerem die Ächtung der Geschosse. Die wiegen etwa zehn bis elf Gramm. Gut 50 Prozent davon bestehen aus Weichblei. Bei einer jährlichen Schalenwildstrecke bis 20 000 Stück in Mecklenburg-Strelitz gelangen bis 100 Kilogramm des Schwermetalls in die Umwelt.
Die Hersteller haben bleifreie Munition, meist auf Kupferbasis, entwickelt. Ein Verbot der herkömmlichen Geschosse, was Ländersache wäre, ist nicht erfolgt. Ein Grund: Es stehen noch Gutachten aus. In der Vergangenheit gab es einiges Hin und Her um die Weiterverwendung konventioneller Patronen. In der Jägerschaft ist man die „Eierei“ leid. Dennoch hegt kaum jemand Vorbehalte gegenüber bleifreien Geschossen.
Der Neubrandenburger Kreisjägermeister Fredi Maasch hat sie seit einem Jahr in Gebrauch. „Ich kann nichts Nachteiliges feststellen“, erklärt er. Die Waffen müssten lediglich neu eingeschossen werden. Hubertus Hübner aus Flatow kann auf über 15-jährige bleifreie Erfahrung verweisen. „Es gibt keinen Unterschied zur herkömmlichen Munition“, sagt er. Er sei davon überzeugt, dass sich bleifrei von allein durchsetzt. „Verbote erübrigen sich.“ Friedhelm Stölting, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes Mecklenburg-Strelitz (rund 900 Mitglieder), hegt ebenfalls keine Vorbehalte. Wenn es neue, seriöse Erkenntnisse über die Nebenwirkungen von Bleimunition gebe, werde sich der Verband ihnen nicht verschließen. Bleifreie Patronen müssten allerdings sicher sein, rasch töten und die Waffen nicht über Gebühr verschleißen.
Der Angestellte des Müritz-Nationalparks und passionierte Jäger Volker Spicher kennt das Hin und Her um bleifreie oder bleihaltige Munition am besten. Schließlich haben er und seine Kollegen schon vor geraumer Zeit in einem Praxistest bei Jagden im Nationalpark die Eigenschaften der neuen Munition getestet und für gut befunden. Doch bevor sie andere Jäger davon überzeugen konnten, hat ein Verbot des auch für die Jagd zuständigen Schweriner Agrarministers Till Backhaus (SPD) dem ein vorläufiges Ende gesetzt. „2011 wurde den Landesbediensteten die Verwendung bleifreier Munition untersagt“, so Spicher. Einige Gutachten aus anderen Bundesländern hätten jenen „Mumpeln“ ein gefährliches „Abprallverhalten“ attestiert, welches andere Jagdbeteiligte gefährden können. „Neue Untersuchungen ergaben jedoch keine Unterschiede zu konventioneller Munition“, sagt Spicher. Und so bestünde ab dem 1. April im Nationalpark die Pflicht zur Verwendung bleifreier Munition. Selbst Minister Backhaus kämpfe jetzt um eine bundesweite Ächtung der bleihaltigen Geschosse.
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