Nordkurier.de

Broda: Bürger schreiben an die Kanzlerin

Sind die Strahlungen von Mobilfunkmasten gesundheitsgefähr- dend oder nicht? Daran scheiden sich die Geister.[KT_CREDIT] FOTO: S. Harter
Sind die Strahlungen von Mobilfunkmasten gesundheitsgefähr- dend oder nicht? Daran scheiden sich die Geister.[KT_CREDIT] FOTO: S. Harter

VonAndreas Segeth

Voller Sorge wendet sich die Bürgerinitiative gegen den geplanten Neubau eines Funkmastes in Broda an Angela Merkel. Unterdessen fordern SPD und Grüne auf Bundesebene neue Richtlinien für elektro- magnetische Strahlungen.

Neubrandenburg.Die Initiative „Bürger für Neubrandenburg“, die sich gegen den geplanten Neubau eines Mobilfunkmastes in Broda einsetzt, hat sich jetzt mit ihrem Anliegen direkt an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gewandt. „Verhindern Sie, dass Privatfirmen der Mobilfunkbranche auf Kosten der Gesundheit der Bevölkerung Techniken installieren, die in erster Linie kommerziellen Interessen dienen“, heißt es in dem Appell an die Regierungschefin.
Die Bürgerinnen und Bürger aus Broda seien empört und verzweifelt, weil ein von T-Mobile geplanter Mobilfunkmast trotz breiter Ablehnung der Bürger nun offenbar doch gebaut werden soll. Mehr als 1500 Unterschriften seien gegen die Anlage gesammelt worden – im Hinblick auf die 4500 Einwohner Brodas sei das eine sehr große Zahl. „Viele Neubrandenburger spüren die schädliche Auswirkungen der Mobilfunkstrahlung am eigenen Körper“, heißt es weiter in dem Schreiben an die Kanzlerin. Die Bürgerinitiative erfahre Unterstützung von fast allen Parteien. Allerdings sei allen Vertretern der Kommunalpolitik und der Verwaltung bewusst, dass die Genehmigungskompetenz ausschließlich bei der Bundesnetzagentur liege. Deshalb laufe jedes mögliche Vorgehen der Kommune auf einen für sie nicht zu gewinnenden Rechtsstreit hinaus.
Deshalb wende man sich nun an die Bundeskanzlerin. Das Votum der Bürger aus Broda werde missachtet.Die in Deutschland geltenden Strahlungsgrenzwerte seien viel zu hoch. Andernorts werde die große Gefahr hochfrequenter und gepulster elektromnagnetischer Strahlung erkannt – beispielsweise in Brüssel, Salzburg, auf dem Firmengelände von BMW und im Berliner Regierungsviertel. In Neubrandenburg aber solle man hilflos dem ungebremsten Ausbau ausgeliefert sein.
Nach Angaben der BI gibt es im Neubrandenburger Stadtgebiet mittlerweile rund 500 Sendeantennen an 55 Standorten. Im vergangenen Jahr haben die Mitglieder an 40 Punkten der Innenstadt die Feldstärke der Mobilfunksender gemessen. „Zwar liegt die Strahlung unter den viel zu hohen gesetzlichen Grenzwerten in Deutschland, trotzdem wird aus unserer Sicht die Gesundheit der Anwohner gefährdet“, sagte BI-Mitglied Heike Wiehle im Dezember 2012.
Unterdessen haben die Gegner von Mobilfunkmasten in diesem März einen Etappenerfolg erzielen können. Die Bundestagsfraktionen der SPD und der Grünen haben einen gemeinsamen Entschließungsantrag formuliert. Darin machen sie auf neue Erkenntnisse zur gesundheitsgefährdenden Wirkung von elektromagnetischen Feldern aufmerksam – unter anderem von der Internationalen Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation. Die entsprechenden Vorschriften über die Grenzwerte müssten grundlegend überarbeitet werden, fordern SPD und Grüne von der Bundesregierung.

KontaktzumAutor
a.segeth@nordkurier.de

Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
Jetzt die Nordkurier App für Smartphone und Tablet installieren.
×