Alexander Geng (vorn) leistet auf dem Friedländer Friedhof seinen Bundesfreiwilligendienst ab. FOTO: Anett Seidel
Von unserem Redaktionsmitglied Anett Seidel
„In meinem Land bin ich Schweißer“, sagt Alexander Geng in gebrochenem Deutsch. Doch jetzt freut sich der Aussiedler über die Arbeit auf dem Friedhof. „Alles ist besser als Zuhause zu sitzen.“
Friedland.Alexander Geng kann zupacken. Beim Bundesfreiwilligendienst (Bufdi) auf dem Friedländer Friedhof hat er das bereits unter Beweis gestellt. Egal, ob seine helfenden Hände bei den Vorbereitungen zur Beisetzung, beim Abriss von Grabstellen, beim Rückbau alter Gräber oder vor allem bei den Pflegearbeiten auf der großen Anlage gebraucht werden, Alexander Geng fasst zu. „Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren – im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz“, ist auf der Internetseite zu lesen. „In meinem Land bin ich Schweißer.“ Doch jetzt nutzt Alexander Geng den Bundesfreiwilligendienst, um in Lohn und Brot zu sein. Seit 1. Dezember des vergangenen Jahres unterstützt er Hermann Mans, der auf dem Friedhof als Vorarbeiter arbeitet. „Ich habe in der Friedländer Zeitung davon gelesen, dass Freiwillige gesucht werden“, berichtet der Friedländer. Der Gang zur Stadtverwaltung brachte ihm den gewünschten Erfolg. Für ein Jahr ist er nun nach unterschiedlichsten Ein-Euro-Jobs ein so genannter Bufdi. Hermann Mans weiß die Einstellung seines neuen Kollegen zu schätzen. „Das ist eine gesunde Philosophie, wenn jemand bereit ist, für relativ wenig Lohn acht Stunden hier zu arbeiten“, freut sich der Stadtarbeiter über die Hilfe an seiner Seite. Die Sympathie liegt auf beiden Seiten. Alexander Geng fühlt sich wohl: „Ich würde gern länger bleiben“, gibt er zu. Hermann Mans könnte das nur begrüßen. „Bei der Größe des Friedhofs, ist die Arbeit kaum allein zu schaffen“, ist er sich sicher. Alexander Geng kam 2002 aus Usbekistan nach Deutschland. „Am 16. September 2002 um 17 Uhr bin ich in Friedland bei Göttingen angekommen und eine Woche später war ich in Friedland in Mecklenburg“, erinnert er sich genau an diese Tage zurück. Mit seiner Mutter und Geschwistern, einem Koffer und der Kleidung, die er am Leibe trug, kam der damals blutjunge Mann in Deutschland an. Heute spricht er von einem Anfang „bei Null“. Die Sprache musste er lernen. Dennoch: Friedland wurde zur Heimat – mit seiner Frau und zwei Töchtern, die zweisprachig aufwachsen.