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Das Geheimnis der Gastronomie: Lust auf den Job

Derzeit kommen in Neubrandenburg auf
1220 gemeldete Ausbildungsstellen
1229 Bewerber. Doch insbesondere die Branche der Gastronomie/Hotellerie muss arg für ihren Nachwuchs kämpfen. Paulina Jasmer sprach mit Ronny Steeger, Sprecher der Agentur für Arbeit in Neubrandenburg, über die Ausbildungssituation in der gesamten Region.

Wie sieht der Ausbildungsmarkt in der Gastronomie und Hotel-Branche in der Seenplatte derzeit aus?
Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen gesunken. Klar ist dabei, dass deutlich mehr Betriebe Bedarf anmelden, also Ausbildungsplätze und Arbeitsplätze haben, als bei uns Bewerber beziehungsweise Interessenten registriert sind. Mit Stand vom 28. März sind 88 Ausbildungsstellen in der Gastronomie/Hotellerie bei uns vermerkt, bei nur 27 Interessenten aus dem gesamten Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. So wie sich die Interessentenzahl um 20 Prozent verringert hat, so ist dies auch für die Zahl der Arbeitgeber der Fall. Das hat aber weniger mit der Nachfrage der Unternehmen zu tun. Der Grund für den Rückgang an Ausbildungsstellen ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass sich Unternehmen auch in diesem Jahr wieder entschieden haben, nur die Zahl offener Ausbildungsstellen zu melden, die realistisch auch zu besetzen sind. Dabei ist zu beachten, dass wir nur die Bedarfe kennen, die uns auch gemeldet werden.

Wie viele Interessenten gibt es in Neubrandenburg für diese Branche?
Das ist nur eine recht kleine Zahl, zumal es Ballungsräume wie den ehemaligen Müritzkreis gibt. Allgemein gilt: Auf einen Interessenten kommen drei Ausbildungsplätze.
Bei solchen Zahlen wird oft der demografische Wandel als Erklärung bemüht. Welche Gründe gibt es außerdem für den Nachwuchsmangel, zumal die Branche oftmals als Niedriglohn-Sektor verschrien ist ...
Personal in der Gastronomie/Hotellerie wird in Mecklenburg-Vorpommern, dem Tourismusland, unbedingt gebraucht. Dabei stoßen Unternehmen an ihre Grenzen, weil es nicht mehr so viele Bewerber gibt. Deshalb werden jetzt die sogenannten weichen Faktoren immer wichtiger. Das heißt, man muss den Leuten schon etwas bieten, damit die Wahl auf das Unternehmen fällt. Das kann bei einem der Firmenwagen sein, beim anderen ein Kurzurlaub oder auch mehr Gehalt. Einen Tarif gibt es in der Branche nicht, es sei denn, sowohl Arbeitgeber als auch Arbeitnehmer sind im Arbeitgeberverband beziehungsweise in der Gewerkschaft organisiert. Das ist nicht oft der Fall, deshalb reguliert der Markt sich selbst. Dieses Vorgehen ist uns aus guten Wirtschaftsregionen bundesweit bekannt. Jetzt wird auch hierzulande mitunter an Arbeitsbedingungen geschraubt.

Was muss ein Interessent mitbringen, um in der Branche Fuß fassen zu können?
Lust auf den Job, trotz Arbeitszeiten, wo andere schlafen, feiern oder Weihnachten mit der Familie verbringen. Ansonsten hat jeder Arbeitgeber seine Anforderungen.

Welche Möglichkeiten haben junge Leute und Unternehmen, sich nicht erst mit dem Bewerbungsgespräch kennenzulernen?
Im Herbst planen wir in Waren die Ausbildungsmesse, die für den gesamten Landkreis organisiert wird. Zusammen mit dem Jobcenter, dem Dehoga und vielen Unternehmen wird dies realisiert. Wir strecken die Fühler also weiter aus, so wie es Arbeitnehmer und Arbeitgeber sowieso schon machen.

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