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Der Mann, der 30 000 Wohnungen baute

VonFrank Wilhelm

Fast 40 Jahre lang war Horst Bormann mit dabei in den Neubaugebieten des ehemaligen Bezirkes Neubrandenburg– erst als Kranführer, dann als stellvertretender Brigadier.

Neubrandenburg.Natürlich wohnt Horst Bormann in einer Platte. Aber nicht in irgendeiner. Den Neubaublock in der Greifstraße im Neubrandenburger Vogelviertel hat er 1961 selbst mit gebaut – als Kranführer. Es war der erste Block in der DDR, der in einer Taktstraße errichtet wurde. Die industrielle Bauweise, mit der Häuser wie am Fließband gebaut wurden, war die Voraussetzung dafür, dass bis 1989 in der DDR Neubaugebiet auf Neubaugebiet hochgezogen wurde. Auch in der Viertorestadt. Und Bormann, der im November 80 wird, war bei allen mit dabei. „Über 30000 Wohnungen soll ich gebaut haben, wurde mal ausgerechnet.“ Los ging‘s für den jungen Mann, der aus Demmin stammt, 1955 in Neubrandenburgs Innenstadt. Die Trümmer waren weggeräumt, der Neuaufbau begann. Baumaschinist Bormann war mit Kran und Bagger dabei: In der heutigen Stargarder Straße, wo das Kaufhaus entstand. Wohnblock an Wohnblock wurde gemauert. Seinen Fotoapparat hatte er immer dabei. Einmalige Luftbilder entstanden. Bormann gehörte zur Brigade von Leo Kempin, ein Bauarbeiter, der heute noch einen Namen hat in Neubrandenburg. „Leider ist der Leo viel zu früh gestorben“, sagt Bormann. Die Zehngeschosser an der heutigen Neustrelitzer Straße, die Oststadt, wo 1973 der erste WBS 70-Block der DDR übergeben wurde, Lindenberg, Datzeberg – schließlich Reitbahnweg und Rostocker Straße. Unvergesslich wird ihm der Datzeberg bleiben, weil er mit dem schlimmen Winter 1979 verbunden ist. „Trotz Schnee und Eis, bis minus 13 Grad haben wir noch montiert.“ Der Takt musste schließlich eingehalten werden: In zwölf Tagen der Rohbau, in 38 Tagen die Übergabe.
Als nach der Wende immer mehr wegzogen aus Neubrandenburg und die ersten Platten geschliffen wurden, blutete ihm das Herz. „Es schmerzt, wenn Wohnungen abgerissen werden, die man selbst gebaut hat.“ Den Stolz, den lässt sich Horst Bormann aber trotzdem nicht nehmen.

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f.wilhelm@nordkurier.de

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