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Die Afghanistan-Mission der Mutmacherin Merkel

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich im Feldlager in Kundus mit Soldaten der Bundeswehr. Merkel besucht für einen Tag die deutschen Truppen in Afghanistan. [KT_CREDIT] Foto: Kay Nietfeld[/KT_CREDIT]
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) unterhält sich im Feldlager in Kundus mit Soldaten der Bundeswehr. Merkel besucht für einen Tag die deutschen Truppen in Afghanistan. [KT_CREDIT] Foto: Kay Nietfeld[/KT_CREDIT]

VonMichael Fischer&Can Merey

Eine Reise zum richtigen Zeitpunkt: Kurz nach dem Tod eines Elite-Soldaten kommt die Kanzlerin nach Afghanistan. Es ist wohl ihr letzter Besuch im Feldlager der Bundeswehr.

Kundus.Der erste Gang im nordafghanischen Kundus führt Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Ehrenhain für die gefallenen Soldaten. Auf den paar hundert Metern vom Hubschrauberlandeplatz entfernt hat sich ein eindrucksvoller Abzugs-Konvoi aufgestellt. 32 Lastwagen sollen Container und gepanzerte Fahrzeuge nach Masar-i-Scharif bringen. Von dort aus geht es weiter mit dem Flugzeug ins türkische Trabzon und dann per Schiff in die Heimat.
Für den Hauptfeldwebel, der am Samstag in einen Hinterhalt geriet und von Taliban aus nächster Nähe erschossen wurde, kommt der Abzug zu spät. Er ist der zwanzigste Bundeswehrsoldat aus dem Feldlager Kundus, der den Einsatz nicht überlebte. Sein Name fehlt allerdings als einziger an der Gedenkmauer aus Backstein vor der Merkel gemeinsam mit Verteidigungsminister Thomas de Maizière der Gefallenen gedenkt. Der 32-jährige Gefallene gehörte dem geheim operierenden Kommando Spezialkräfte (KSK) an. Selbst nach seinem Tod darf seine Identität nicht offenbart werden. Der evangelische Militärpfarrer Jochen Sennhenn spricht in der kurzen Andacht nur von dem Soldaten, „dessen Namen wir nicht kennen dürfen“. Merkel verfolgt die Zeremonie mit steinerner Miene.
Die Kanzlerin hatte den fünften Afghanistan-Besuch in ihrer fast achtjährigen Amtszeit lange vor dem Tod des KSK-Soldaten geplant. Aber jetzt ist er wichtiger denn je. Fast zwei Jahre hatte die Bundeswehr keine Verluste in Afghanistan zu beklagen. Von erfolgreicher Übergabe der Verantwortung an die Afghanen war die Rede, von den Vorbereitungen für den Abzug und einer verbesserten Sicherheitslage.
Jetzt hat der Hinterhalt in der Provinz Baghlan die brutale Realität des Krieges in Afghanistan wieder zurück in das Gedächtnis der deutschen Öffentlichkeit gerufen.
Das Besuchsprogramm wird davon aber kaum beeinflusst. Die Kanzlerin lässt es sich nicht nehmen, erstmals direkt mit ihrem Regierungs-Airbus ins nordafghanische Hauptquartier der Bundeswehr in Masar-i-Scharif zu fliegen. Seit einem halben Jahr ist das möglich. Vorher mussten alle Regierungsmitglieder aus Sicherheitsgründen im usbekischen Termes in eine Militärmaschine mit Raketenabwehrsystem umsteigen. Für den anschließenden Hubschrauberflug nach Kundus gilt aber erhöhte Wachsamkeit. Die Taliban haben vor wenigen Tagen zwei deutsche Helikopter vom Typ CH-53 beschossen. Merkel fliegt deswegen in einer Höhe von mehr als drei Kilometern. In Kundus trifft sie Soldaten der KSK-Truppe, der auch der gefallene Soldat angehörte – hinter verschlossenen Türen, versteht sich.

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