
| Landwirtschaft |
von Redaktion
|
Hans-Dieter Gabel ist bekannt als jemand, der kein Blatt vor den Mund nimmt. Erst recht nicht, wenn es darum geht, sich für die Landwirtschaft in der Region einzusetzen. Nach fünf Jahren im Amt haben die Mitglieder des Altentreptower Bauernverbandes den Vorstandsvorsitzenden der Torney Milch und Fleisch eG Pripsleben und Geschäftsführer der Torney Landfleischerei Pripsleben jetzt für weitere vier Jahre zum Vorsitzenden gewählt (der Nordkurier berichtete). Unser Redaktionsmitglied Anke Brauns sprach mit dem 55-Jährigen.
Die Berichte über Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung haben bei der Mitgliederversammlung des Bauernverbandes für erregte Diskussionen gesorgt. Dass es Missstände gibt, ist doch aber unstrittig und das gehört auch in die Zeitungen.
Da muss sich sicher was ändern und die Geflügelhalter gehen auch selbstkritisch mit dem Thema um. Aber ich empfinde die Berichterstattung als tendenziös und damit sind wir nicht einverstanden.
Nur über die Medien zu schimpfen, ist aber sicher keine Lösung für die Bauern.
Nein, wir müssen uns offensiv damit auseinandersetzen. Aber es ist ein Ärgernis, das uns beschäftigt und Geld kostet.
Hat der Skandal denn Auswirkungen auf Mitglieder ihres Verbandes?
Ja. Von den rund 60 Mitgliedern sind vier Geflügelhalter. Sie haben deutliche Einbrüche beim Absatz zu verzeichnen durch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher.
20 bis 25 Prozent der Ställe stehen leer.
Wo sehen Sie neben der offensiven Auseinandersetzung mit solchen Dingen weitere Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Jahre?
Wir sind an erster Stelle ein Lobby-Verband und wollen die Interessen der Bauern gegenüber der Politik durchsetzen. Dafür brauchen wir Einigkeit unter den Mitgliedern, müssen die Interessen kleiner und großer Bauern zusammenbringen. Neue Mitglieder zu werben, ist ein weiteres Ziel. Bisher gehören 65 Prozent der Anbaufläche im Altkreis Altentreptow zum Verband. Außerdem befassen wir uns mit allen aktuellen politischen Entwicklungen, die auf die Landwirtschaft zukommen.
Zum Beispiel?
Ab 2013 Neuregulierung der Beihilfe für Bauern
Mit der neuen gemeinsamen Agrarpolitik der EU ab 2013 werden die Beihilfen für die Bauern neu reguliert. Dabei gibt es Bestrebungen, Obergrenzen einzuführen, was vor allem größere Betriebe betreffen würde. Außerdem strebt man an, Flächen stillzulegen, was wir auf unseren guten Standorten aber komplett ablehnen.
Der bisherige Altentreptower Notar Boris Robert Gaentzsch hat bei seinem Abschied gesagt, dass nach seinen Erfahrungen besonders die Landwirtschaft die wirtschaftliche Stärke dieser Region ausmacht. Sehen Sie das – bei allen Problemen – auch so?
Natürlich, die Landwirtschaft hier ist erfolgreich, eine starke Branche.
Und eine, die zunehmend auf erneuerbare und alternative Energien setzt.
Ja, die erneuerbaren Energien sind für die Landwirtschaft ein Segen. Erstmals können wir unsere Produkte zweigleisig vermarkten, nicht nur an die Nahrungsgüterwirtschaft. Inzwischen gibt es auch neun Biogasanlagen im Verbandsgebiet.
Wenn Bauern Flächen für Windkraft- oder Solaranlagen zur Verfügung stellen, geht Land verloren, aber es kommt Geld in die Kasse. Überwiegen die Vorteile?
Wir lehnen das nicht von vornherein ab, der Landeigentümer profitiert ja davon. Aber den Flächenverbrauch dadurch prangern wir schon an. Für Solaranlagen ist das Bauen auf der grünen Wiese ja schon eingeschränkt.
Das Hochwasser 2011 ist bei der Versammlung auch angesprochen worden. Ist das Geschichte oder weiter Gesprächsstoff?
Wasser ist immer ein Thema. Die Tollensewiesen sind seit 2007 schon mehrmals überflutet worden. Dadurch hatten Rinderhalter nicht genug eigenes Futter für ihre Tiere. Es müssen Konzepte erarbeitet werden, wie die Flächeneigentümer damit umgehen können. Wir brauchen einen Kompromiss zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Naturschutz, zum Beispiel bei der Krautung. Im Ackerbau hatten wir durch das viele Wasser vor allem schwierige Erntebedingungen und Qualitätseinbußen beim Getreide.
Nachwuchssorgen haben alle Branchen und sie sind auch in der Landwirtschaft ein Dauerthema. Wie sieht es da beispielsweise in den Torney-Unternehmen aus?
Das ist ein echtes Problem. Wir haben in diesem Jahr keinen neuen Fleischerlehrling und maximal fünf Verkäufer-Azubis. Früher
hatten wir in der Regel 10 bis 15Verkäuferinnen- und zwei Fleischer-Lehrlinge jedes Jahr. Auf die maximal 15 Lehrstellen im Handel gab es früher 70 bis 100 Bewerbungen, jetzt kriegen wir vielleicht fünf.
|
|