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Dresdner Bildhauer erobern Neustrelitzer Schlosskirche

VonSilvio Witt

Facettenreiche Plastiken sind derzeit in der
altehrwürdigen Residenzstadt zu sehen. Der Stimmungsbogen reicht vonLebensfreude bis hin zu Trauer und Verzweiflung.

Neustrelitz.Es ist immer wieder dasselbe Spiel, das
Raimund Hoffmann und Uwe Maroske spielen. Das Spiel mit dem Raum und dem Figürlichen. Seit 13 Jahren wird diese spannende Komposition in der Neustrelitzer Schlosskirche präsentiert. Jetzt gibt es die mittlerweile 33. Ausstellung der Plastikgalerie im Sakralbau der Residenzstadt.
„Wir wollen kontinuierlich aufs Neue zeigen, wie das Thema Figur in der Plastik aufleben kann, wie breit gefächert die Spanne dabei ist“, erklärt Raimund Hoffmann das Basiskonzept. Dabei sei es vor allem interessant zu sehen, mit welchen Amplituden sich dieser Kunstbereich entwickle, ergänzt Uwe Maroske. Bis zum 7. Juli werden mit Walter Arnold, Helmut Heinze, Peter Makolies und Hans Steger Dresdner Künstler im Innenraum der Schlosskirche einen von Lebensfreude und Lust bis hin zu Trauer und Verzweiflung gekennzeichneten Stimmungsbogen spannen.
Das „Elbflorenz“ ist seit dem 19. Jahrhundert als Ort der künstlerischen Bildung, vor allem auch was Plastiken betrifft, bekannt. Die nun in Neustrelitz ausgestellten Arbeiten zeugen von der
Bedeutung nach dem
Zweiten Weltkrieg. Gerade Walter Arnold prägte diese Zeit als Künstler und Lehrender.
Mit Helmut Heinze führte ein ehemaliger Schüler Arnolds diese Tradition fort und unterstrich nicht zuletzt die Bedeutung der figürlichen Bildhauerei. Bis 1997 war er selbst im Hochschulbetrieb tätig und war bei der Ausstellungseröffnung in Neustrelitz zu Gast sein.
Peter Makolies’ Wurzeln als Steinmetz sind in seiner künstlerischen Arbeit fortwährend zu spüren. Seine handwerkliche Perfektion konnte er nicht zuletzt bei Arbeiten am Dresdner Zwinger unter Beweis stellen. Hans Stegers Werk ist vor allem von Portraitplastiken durchzogen.
Diese Mischung gibt auch der 33. Ausstellung der Plastikgalerie Schlosskirche Neustrelitz eine Originalität, die man in der Region nur selten antrifft. Sämtliche Arbeiten sind aus den Künstlerateliers beziehungsweise aus Nachlässen zusammengetragen. Werke also, die exklusiv und vermutlich in dieser Konstellation einmalig zu sehen sind. Von schwungvollen Gesichtern, die einem aus Feldsteinen massiv anstarren, über klassische oder fantasievolle Formen bis hin zum „Chor der Überlebenden“, der erst im vergangenen Jahr von der Stiftung Frauenkirche an die Kathedrale von Coventry, Dresdens britischer Partnerstadt, verschenkt wurde. In Neustrelitz ist unter anderem eine Miniatur der siebenköpfigen Plastik zu sehen, die im Original 2,66 Meter misst.
Im Juli schon wird mit Arbeiten des weltbekannten Künstlers Giacomo Manzù ein ganz anderer Aspekt des Figürlichen ausgestellt. Wie in den 33 Ausstellungen zuvor, dürfen Maroske und Hoffmann sich dabei überregionalem Interesses sicher sein. Bei Manzú vielleicht sogar europaweitem.

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