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„Druschba“ wird zum „Sumpf“

Und so sah die Realität aus: Blick über Teile der Oststadt im Jahr 1994 mit der Gaststätte Treff und der Ladenstraße in der Allendestraße.  FOTO: H. Beyermann
Und so sah die Realität aus: Blick über Teile der Oststadt im Jahr 1994 mit der Gaststätte Treff und der Ladenstraße in der Allendestraße. FOTO: H. Beyermann

Bei dem gesuchten Objekt handelt es sich um die HO-Gaststätte „Treff“, eine von sechs gastronomischen Einrichtungen der Oststadt, die im Telefonbuch von 1989 aufgeführt wurden. Schon bei der Planung der Oststadt hatten Architekten und Projektanten ein großzügiges Stadtteilzentrum entlang des Juri-Gagarin-Rings vorgesehen, zu dem auch ein Einkaufszentrum mit Gaststätte und Café gehören sollte, zumal Neubrandenburg durch die Zerstörung am Kriegsende viele Gaststätten, Restaurants und Cafés verloren hatte.
Aus den unterschiedlichsten Gründen entstanden im Laufe der Jahre lediglich die Kaufhalle-Ost I und später das „Kaufhaus Magnet“. Die erste gastronomische Versorgungseinrichtung, die im neuen Stadtteil für die Bauleute zur Verfügung stand, war die „Bauarbeiter-Gaststätte“ in der Einsteinstraße 37. Aus der wurde nach Abschluss der Bauarbeiten in der Oststadt die Gaststätte „Druschba“, die von den Bewohnern auch „Sumpf“ genannt wurde.
Als nächste folgte die Schülergaststätte in der Ziolkowskistraße 2. Dazu konnte man in der „Freien Erde“ lesen: „Am 29. April 1970 übergab Günter Stoltenburg, Stellvertreter des OB, die Schülergaststätte in der Oststadt an den Objektleiter Arnold Strohbusch.“
Anschließend erfolgte dann in dieser der Einbau einer separaten Gaststätte, wovon die Zeitung am 14. November 1971 ebenfalls berichtete. Bis 1975 gab es keine weiteren Veränderungen bei der dortigen Gastronomie. Erst zum Ende des gleichen Jahres begann der Bau einer Imbisshalle neben der Kaufhalle Ost I, der größten des Bezirkes Neubrandenburg. Zu dieser Zeit hatte die Oststadt bereits 17 000 Einwohner und in dem neuen Stadtteil für diese 5500 Wohnungen errichtet. Fast zwei Jahre später, am 18. Mai 1976, meldete dann die „Freie Erde“: „Zwei neue Gaststätten übergeben: Am 16. Mai die Bierstube in der Oststadt, die erste moderne Eckkneipe mit 55 Plätzen. Ebenfalls am Sonntag die Gaststätte „Hinterste Mühle“ mit 265 Plätzen.“
Die Oststadt wuchs und wuchs. Als 1978 das Bauvorhaben weitestgehend abgeschlossen war, berichtete die Zeitung am 29. April, dass die Anzahl der Bewohner auf
24 000 angewachsen sei und man dafür 7700 Wohnungen errichtet habe. Doch die Versorgungseinrichtungen für Waren des täglichen Bedarfs und die Gastronomie hatten dabei nicht Schritt gehalten. So entstand die Kaufhalle Ost II in der Dr. Salvador-Allende-Straße 15 und gleich daneben mit der Nr. 13 die Gaststätte „Treff“.
Die offizielle Übergabe erfolgte schließlich am Vorabend des 1. Mai 1978. Waren bis dahin in der Oststadt nur Geschäfte und Gastwirtschaften für HO oder Konsums entstanden, wurde plötzlich das Tabu der Privatwirtschaft durchbrochen. So eröffnete am 4. Mai 1979 Martin Schössow in der Einsteinstraße 37a sein „Eiscafé Tina“ mit 40 Innenplätzen sowie 60 Plätzen auf der Terrasse. Geöffnet hatte man vom Frühjahr bis zum Herbst, 7 Tage die Woche, was bei staatlichen Einrichtungen nicht unbedingt zum Selbstverständnis gehörte.
Fast alle Lokale und Cafés der Oststadt schienen anfangs die Zeiten der Wirtschafts-, Sozial- und Währungsunion gut zu überstehen. Einige strauchelten aus wirtschaftlichen Gründen oder bekamen neue Pächter oder Eigentümer. Andere mussten baulichen Veränderungen weichen. Dazu gehörten auch die ehemalige Kaufhalle Ost II und die Gaststätte Treff.
Räumliche Ansprüche und nicht ausreichende Parkplätze verlangten bauliche Veränderungen. So begann im Jahr 2000 der Abriss und die Bau-Regie GmbH errichtete den Rewe-Supermarkt mit Getränkemarkt an gleicher Stelle.

Horst Beyermann

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