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Echte Hingucker aus Resten

Wozu alte Werbung noch gut ist: Beate Remest verarbeitet die bunten Buchstaben zu ganz individuellen Papierkörben.
Wozu alte Werbung noch gut ist: Beate Remest verarbeitet die bunten Buchstaben zu ganz individuellen Papierkörben.

Das ist doch mal ein Papierkorb im wahrsten Sinne des Wortes. Für Papier und aus Papier. Beate Remest schneidet aus der bunten Zeitungswerbung einen Buchstaben nach dem anderen aus und klebt sie über- und nebeneinander auf die schon reichlich bunte Tonne. Ein echter Hingucker. Und am Ende von erstaunlicher Stabilität. Genau wie ihre Schmuckstücke und Schalen aus Papier. Wer in ihrem neuen Atelier in der Neubrandenburger Katharinenstraße 12 steht, kann nur staunen darüber, was man aus Alt- und Neu-Papier so alles machen kann, aus Zeitungen und Zeitschriften, aus Kunst-Katalogen, aus zartem Seidenpapier, aber auch aus Tortenspitze. „Diese Geschichte ist unendlich für mich“, sagt Beate Remest und muss sich nicht sehr anstrengen, um auf neue papierene Ideen zu kommen.

„Ich muss es nicht suchen, die Dinge kommen von selbst.“ Mit ihrem Auszug aus der Werkstatt am Reitbahnweg und dem Einzug ins frühere Lebensmittelgeschäft Usedom hat die 58-Jährige Platz, um ihr Kunsthandwerk Papierdesign auszuleben und gleichzeitig ihrem Handwerk nachzugehen. Denn hier nimmt sie auch immer mittwochs Aufträge für ihr Geschäft „Bild und Rahmen“.

Fürs Papierdesign hat sie keine festen Öffnungszeiten. „Wenn ich da bin, ist offen“, sagt sie lachend und hat in den ersten Tagen schon viel Interesse an ihrer Arbeit erfahren. So mancher, der auf dem Weg zur Schneiderei bei ihr durchkommt, bleibt fasziniert vor den Vorhängen aus Seidenpapier, den zarten Papierschuhen, den farbenfrohen Schalen, den federleichten Kleidern und den bunten Schmuckstücken stehen. Mit letzteren hat alles mal angefangen. „In der Galerie im Friedländer Tor hatte ich auch Schmuck von Kunsthandwerkern und ich habe immer was gesucht, was keiner hat“, erzählt sie. Von Papierschmuck hatte Beate Remest gehört, „aber da kam ich nicht ran und dann habe ich einfach angefangen, selbst etwas zu machen“.

Von einer Buchbinderin habe sie wertvolle Tipps erhalten und schon bald gab es positive Reaktionen auf ihre Arbeiten. „Erst habe ich den Schmuck gemacht, dann die Verpackung für den Schmuck, daraus entwickelte sich die Geschichte mit den Gefäßen und so ging das immer weiter“, sagt sie. Zur Eröffnung einer Modeboutique schuf sie das erste Mal ein Papierkleid als Dekoration, dazu Hut und Schuhe. „Das Wertvolle daran ist nicht das Material, sondern das Kreative“, meint sie. Beate Remest rollt das Papier und faltet es, klebt, locht und reißt es, schneidet und wickelt es, färbt und flechtet es. Inzwischen näht sie es auch, zum Beispiel zu einer extravaganten Kette. „Die Frauen, die Goldkettchen tragen, sind eher nicht meine Kunden, sondern die, die was Außergewöhnliches wollen.“

Wenn Beate Remest heute zusammenzählt, was sie aus Papier alles geschaffen, wie viele Messen sie besucht hat und wie viele Ausstellungen gestaltet, kann sie selbst kaum glauben, „welche Ausmaße“ ihre doch recht spät entflammte künstlerische Leidenschaft für die Arbeit mit Papier angenommen hat. Längst kann das „junge“ Talent nicht mehr allen Anfragen nachkommen.

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