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Ein kleines Wunder an der Tollense

Die ersten Bauherren haben losgelegt. Insgesamt entstehen neun Häuser im Wohngebiet An der Tollense.  Foto. H. Sommer
Die ersten Bauherren haben losgelegt. Insgesamt entstehen neun Häuser im Wohngebiet An der Tollense. Foto. H. Sommer

VonHeike Sommer

Für einige Turbulenzen hat das künftige Wohngebiet An der Tollense schon gesorgt. Dass nun dort tatsächlich gebaut wird, grenzt fast an ein Wunder.

Neubrandenburg.Es hat Zeiten gegeben, da hätte Ulf-Peter Tannert am liebsten alles hingeschmissen. Jetzt jedoch steht der Geschäftsführer des Erschließungsträgers auf dem Bauland zwischen Rostocker Straße, Bachstraße und Tollense und schaut zufrieden den Arbeitern zu, die dort die ersten Häuser errichten.
Gut sechs Jahre hat Tannert den Plan verfolgt, hier in Innenstadt- und Wassernähe Wohnbebauung zu ermöglichen. Bereits vor zwei Jahren wähnte er sich am Ziel. Der B-Plan war erstellt, die über einen Hektar große Fläche von der Stadt erworben und auf 19 Grundstücke parzelliert. Über 60 Bewerber standen auf der Liste und warteten auf einen Bescheid. Doch statt dessen musste Ulf-Peter Tannert die Reißleine ziehen. „Plötzlich hieß es die Fläche sei hochwassergefährdet. Das war ein Schock“, sagt Tannert. Auch die Verantwortlichen in der Stadt konnten die Aussagen des Staatlichen Amtes für Landwirtschaft und Umwelt (StaLu) kaum fassen und empörten sich.
„Ich hatte schon zuviel Kraft in das Projekt gesteckt, da konnte ich jetzt nicht aufgeben“, sagt Ulf Tannert.
Einen Haufen Arbeit, den er längst schon für erledigt gehalten hatte – und eine Menge Ärger– , galt es zu bewältigen: Rückkauf und Neuerwerb der Flächen von der Stadt mussten abgewickelt, Verhandlungen mit dem StaLu zu den Hochwasserbestimmungen geführt, die Flächen neu vermessen und geordnet sowie ihre Erschließung nochmals geplant werden.
„Es hat sich gelohnt“, findet Ulf-Peter Tannert, der Geschäftsführer der A&S-Consult GmbH Neubrandenburg ist. Statt 19 werden nun neun Grundstücke als Bauland erschlossen.
Die überschwemmungsgefährdeten Flächen wurden als Grünland den Baugrundstücken zugeordnet. „Alle Grundstücke sind verkauft. Trotz der Rückschläge in der Planungsphase sind die meisten Bewerber bei der Stange geblieben. Und immer noch kommen Anfragen“, sagt er.
Dort, wo einst Laube an Laube stand, Kleingärtner ihre Scholle bewirtschafteten, errichten nun vor allem junge Familien ihr neues Zuhause.
Idealer kann man fast nicht wohnen. Zur Straße hin das städtische Treiben und nach hinten raus das Plätschern der Tollense. „Wir haben möglichst viele alte Obstbäume stehen lassen. Das schafft Flair“, findet Tannert.
Auch wenn es so aussieht, als reichten einige Grundstücke bis zum Tollenseufer. trügt der Schein. Denn die Stadt hat einen sieben Meter Streifen zur Tollense behalten. Dort will sie in ferner Zukunft eine Uferpromenade errichten.

Kontakt zur Autorin:
h.sommer@nordkurier.de

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