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Eiskeller wird Schlafquartier für Nachtschwärmer

In solchen Kolonien überwintert das Große Mausohr  im Burg Stargarder Eiskeller.  FOTO: Bärbel Gudat
In solchen Kolonien überwintert das Große Mausohr im Burg Stargarder Eiskeller. FOTO: Bärbel Gudat

Von unserem RedaktionsmitgliedBärbel Gudat

Der Raum unterhalb des Klüschenbergs entwickelte sich zu einem beliebten Winterquartier für Fledermäuse.

Burg Stargard.Während der Diskussionen um den Tierpark in Burg Stargard machte sich dessen ehemaliger Chef Andreas Schumann Gedanken über das FFH-Gebiet Klüschenberg (der Nordkurier berichtete). Er glaubt, dass mit zu wenig Fachwissen an den Baumbestand herangegangen wird. Der Naturschutzgedanke komme einfach zu kurz, befürchtet er. „Es stoßen hier drei Schutzgebiete zusammen: das Tal der Linde, der Klüschenberg und das bedeutendste Winterquartier für Mausohren im Land, der Eiskeller“, sagt Andreas Schumann. Zurzeit überwintern im Eiskeller am Fuße des Klüschenbergs
350 Fledermäuse. Man habe Ende der 70er Jahre mit etwa 40 kleinen Nachtschwärmern begonnen, die hier ihr Winterquartier fanden. Bei der Zählung 2011 seien es 614 Tiere gewesen. Vorwiegend das Große Mausohr nutzt den Eiskeller. „Wir haben aber auch schon Fransenfledermäuse hier gefunden, außerdem das Graue und Braune Langohr“, berichtet Andreas Schumann. Einmal sei bei der jährlichen Zählung die sehr seltene Mopsfledermaus festgestellt worden.
Andreas Schumann hat vor Jahren den Eiskeller gekauft. Der riesige Backsteinbau stammt aus der Zeit von 1860. Er gehörte der Burg Stargarder Brauerei. Im Winter wurden in den hohen Räumen Eisblöcke gestapelt, die aus dem zugefrorenen Mühlenteich, aber auch aus anderen Seen „geschnitten“ wurden. Das schmelzende Eis hielt das Bier auf einer konstanten Temperatur von um die 8 Grad Celsius. Nach dem Krieg wurde der Eiskeller zu einer Annahmestelle für Obst und Gemüse, geriet dann aber in Vergessenheit und wurde zum Schuttabladeplatz. „Wir haben damals
28 LKW-Ladungen an Abfall hier abgefahren“, erinnert sich Schumann an die Übernahmezeiten. „Ich hatte später die Idee, hier Aquarien reinzubringen.“ Diese Pläne verwarf er jedoch zu Gunsten des Fledermausquartiers. Die kleinen Säuger haben dort die nötige Ruhe, aber auch Temperatur und Feuchtigkeit stimmen. Außerdem können ihnen in den hohen Räumen weder Marder noch Katze etwas anhaben. Draußen ist das Futterangebot sehr reichhaltig. „Wenn ich Fledermaus wäre, würde ich mich auch in Burg Stargard ansiedeln“, witzelt Schumann.

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b.gudat@nordkurier.de

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