Februar 23, 2012
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Wohltätigkeit von Andreas Bayer

Erfolgreich, beliebt und verbesserungsfähig

Schleppend angelaufen, ist der Bundesfreiwilligendienst inzwischen etabliert. Nur nicht in unserer Region.

In alle Aufgaben eingebunden sind Jana Tarnow (links) und Verena Zühlke (rechts), hier mit Anja, Laura und Sarah (von links nach rechts).  FOTO: A.Bayer
In alle Aufgaben eingebunden sind Jana Tarnow (links) und Verena Zühlke (rechts), hier mit Anja, Laura und Sarah (von links nach rechts). FOTO: A.Bayer
Altentreptow. (nk)  

„Ich hatte schon ein bisschen Respekt vor der Aufgabe und mich erstmal für den Zeitraum von einem halben Jahr entschieden“, beschreibt Verena Zühlke ihre anfänglich Zurückhaltung. Die schüchterne 31-Jährige tastet sich langsam wieder an den ersten Arbeitsmarkt heran. Weil sich eine Umschulungsmaßnahme nicht erfüllte, dient sie momentan 20 Stunden wöchentlich an der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung in Altentreptow.


Die Ängste sind inzwischen weitgehend abgebaut, zusammen mit Jana Tarnow hat die Schule zwei Personen, die Bundesfreiwilligendienst (BFD) leisten. „Wir sind ein gutes Team“, schätzt Verena Zühlke ein und auch Schulleiterin Kerstin Proske freut sich sehr: „Ich bin froh, dass ich diese beiden Stellen habe, auch wenn ich natürlich noch viel mehr beschäftigen könnte“. So würden die Freiwilligen die Schüler schon morgens beim Fahrdienst begleiten, ihnen beim Essen, Umkleiden, Waschen und Lernen behilflich sein.


Am meisten Spaß macht beiden Damen die didaktische Beschäftigung, etwa wenn die Kinder Farben und Formen erkennen müssen. Sie könnten sich vorstellen, auch nach dem Ende ihrer Maßnahme in diesem Bereich weiter zu arbeiten. „Das ist schon eine Anerkennung, wenn die Kinder sagen: Ich habe sie vermisst“, sagen die beiden unisono. Kerstin Proske freut sich über die Nachfrage, die seit dem Artikel im Nordkurier entstanden ist. Für dieses Jahr hat sie bereits vier weitere Bewerbungen vorliegen, die aber momentan ohne Chance sind. Aufgrund der bundesweit hohen Nachfrage ist das Budget in diesem Bereich ausgeschöpft, neue Stellen können vorerst nicht ausgeschrieben werden.


Noch nicht alle Stellen besetzt


Doch nicht überall drängen sich die Bewerber. So hat die AWO Demmin fünf BFD-Stellen im Angebot. Keine davon ist bislang besetzt. Zwei Menschen könnten sich etwa in der Landschaftsentwicklungsgesellschaft Rosenow engagieren. „Auch im betreuten Wohnen in Altentreptow hätten wir gerne junge Leute, die den Senioren etwas vorlesen oder kleine Einkäufe erledigen“, erläutert Klaus Schmidt, Leiter des Regionalverbandes.


Auch das Dietrich-Bonhoeffer-Klinikum in Altentreptow hat noch niemanden gefunden, der Ersatz für die ehemals drei Zivi-Stellen leisten möchte. Die Ursachen für die in unseren Breiten geringe und nur langsam wachsende Resonanz für die BFD-Stellen erklärt sich Klaus Schmidt mit der mangelhaften Informationsarbeit. Die Höhe der Vergütung, gesetzliche Absicherung und zusätzliche Leistungen seien unter jungen Leuten weitgehend unbekannt. Hier sieht Schmidt die Träger in der Pflicht, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und Broschüren zu verteilen. „Kaum ein Wohlfahrtsverband ist da eingestiegen“, beklagt er.


Es gibt aber auch andere Ansichten. So will die Volkssolidarität gar keine BFD-ler. „Das ist mir zu aufwendig. Da muss man tausend Abrechnungen machen, Rechenschaft ablegen, die Eigenanteile sind hoch, sie dürfen nicht die gleichen Tätigkeiten ausüben wie Zivis“, zählt Thoralf Gehrke, Geschäftsführer des Kreisverbandes, einige Gründe auf. Er setzt lieber auf Zuverdiener und Kräfte auf 400 Euro-Basis. „Es soll alles immer schön billig sein. Damit es aber keine Konkurrenz mit dem ersten Arbeitsmarkt gibt, werden Beschränkungen auferlegt“, sagt Gehrke, für den der Bundesfreiwilligendienst Unsinn ist. Modelle wie das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ) findet er hingegen gut.

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