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Europa will Recht auf Girokonto für jeden

[KT_BU]58 Millionen Europäer über 15 Jahre haben laut eines Berichts der EU-Kommission kein Girokonto[/KT_BU] .  FOTO: Tobias Kleinschmidt
[KT_BU]58 Millionen Europäer über 15 Jahre haben laut eines Berichts der EU-Kommission kein Girokonto[/KT_BU] . FOTO: Tobias Kleinschmidt

VonM. HerzogundM. Engemann

Das Girokonto ist fast so wichtig wie ein Personal-
ausweis, meint EU-Verbrau-
cherkommissar Tonio Borg. Denn ohne Konto können Bürger keine Geldautomaten nutzen oder Überweisungen tätigen. Die EU-Kommission will daher ein Recht aufs Konto für jeden durchsetzen. Hier finden Sie eine Zusammenfassung der Vorschläge der Brüsseler Behörde.

Wie viele Europäer haben kein Girokonto?
58 Millionen Europäer über 15 Jahre haben kein Girokonto. Das hat die EU-Kommission auf Basis eines Berichts der Weltbank und eigener Umfragen errechnet. 25 Millionen Menschen in Europa hätten laut EU-Kommission gern ein Konto, bekommen aber keins.

Um was für Konten
geht es?
Die Konten sollen den normalen Zahlungsverkehr ermöglichen. Der Kunde soll Überweisungen machen können und Zahlungen erhalten. Auch eine gewöhnliche Zahlungskarte wie die in Deutschland gebräuchlichen Maestro- oder EC-Karten sind vorgesehen. Auch Online-Banking gehört dazu. Reine Online-Konten will die Kommission jedoch ausschließen. Kunden dürften dieses Basiskonto nur sehr gering überziehen.

Wer soll das Recht auf ein Konto bekommen?
Jeder, der seinen Wohnsitz in einem der 27 EU-Staaten hat, soll Zugang zu einem Girokonto bekommen. EU-Bürger, die dort keinen Wohnsitz haben, wären also ausgeschlossen. Nicht-Europäer, die in der EU leben, hätten dagegen ein Recht aufs Konto. Wer schon ein Girokonto in einem Land hat, müsste dort kein zweites bekommen. Wer in Geldwäsche oder bestimmte andere schwere Straftaten verwickelt ist, würde seinen Anspruch verwirken. Eine Privatinsolvenz oder Arbeitslosigkeit wäre aber kein Ausschlusskriterium.

Müsste jede Bank solch ein Konto anbieten?
Nein. Die EU-Länder sollen aber sicherstellen, dass mindestens eine Bank pro Staat solch ein Basiskonto anbietet. Die europäische Verbraucherschutzorganisation Beuc fürchtet allerdings, das Recht könnte zum Makel werden, wenn sich weniger attraktive Kunden bei bestimmten Banken sammelten.

Können Kunden Banken damit besser vergleichen?
Das ist eines der Ziele des Vorschlags. Dafür sollen Gebühren-Übersichtsblätter der Banken in verständlicher Sprache helfen. Unabhängige Websites sollen den Vergleich zwischen den Angeboten für den Kunden vereinfachen. Ein Wechsel des Geldhauses soll schnell und unkompliziert klappen. Diese Vorgaben würden für
Girokonten allgemein gelten, nicht nur für das von der Brüssler EU-Kommission vorgeschlagene Jedermann-
Konto.

Wären damit alle Probleme vom Tisch?
Nein. Wer nirgendwo gemeldet ist – etwa, weil er gerade umgezogen ist – könnte Schwierigkeiten bei der Eröffnung eines neuen Kontos bekommen. Die deutschen Banken und Sparkassen bemängeln zudem, krude Preisvergleiche könnten Verbraucher in die Irre führen: Bei der Bank gehe es schließlich nicht nur um die Kontoführungsgebühren. Die Angebote der Banken unterschieden sich im Leistungsumfang. Die EU-Kommission argumentiert, die Banken sollten bei Paketangeboten die jeweiligen Kosten aufschlüsseln.

Wie geht es weiter?
Die EU-Staaten und das EU-parlament beraten über die Vorschläge. Wenn sie am Ende grünes Licht geben, werden die Pläne Wirklichkeit.

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