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Ex-Mitarbeiter: Einige Buslinien teurer als notwendig

Fahren einige Busse der DVG zu teuer? Diesen Vorwurf aus Altentreptow weist der Verkehrsbetrieb zurück.  FOTO: Archiv/Georg Wagner
Fahren einige Busse der DVG zu teuer? Diesen Vorwurf aus Altentreptow weist der Verkehrsbetrieb zurück. FOTO: Archiv/Georg Wagner

Von unseren Redaktionsmitgliedern
Anke Brauns und Georg Wagner

Steuerverschwendung sieht der ehemalige Altentreptower Nebenstellenleiter der DVG auf einigen Buslinien. Der Kreis weist den Vorwurf zurück, der Betrieb wundert sich über die Kritik.

Altentreptow/Demmin.Wenn Gerfried Ehlert über die Buslinien im Altkreis Altentreptow redet, weiß er, wovon er spricht. Schließlich war er hier über 20 Jahre Nebenstellenleiter der Demminer Verkehrsgesellschaft (DVG). Er ist der Meinung, dass auf einigen Strecken Steuergelder verschwendet werden, weil Linien gefahren werden, „die man nicht vertreten kann“. In einer E-Mail wandte er sich deshalb im Januar an Landrat Heiko Kärger (CDU).
Erst nach mehreren Nachfragen, so berichtet Ehlert, habe er zwei Monate später ein Schreiben erhalten. Zu seiner Kritik, die er mit mehreren Beispielen belegt, schreibt der Kreis aber nur, seine Vorwürfe seien „im Ergebnis unbegründet, so dass keine weitere Veranlassung in dieser Sache zu erfolgen hat“. „Ich hätte erwartet, dass man mich zu diesem Vorwurf anhört“, so Ehlert.
Als ein Beispiel nennt er die Schule Tützpatz, die früher von Altentreptow bedient wurde, seit zwei Jahren aber mit zwei Linien von der Nebenstelle Stavenhagen, wie er schreibt. „Obwohl diese einen Anfahrweg von 21 Kilometern haben und Altentreptow nur 9 Kilometer entfernt ist“, erklärt er. Diese Linien würden drei Mal täglich an Schultagen gefahren. Die anschließende Betreuung der Schule Mölln erfolge ebenfalls durch die Nebenstelle Stavenhagen. Dabei fahre zwei Mal in der Woche ein Bus von Altentreptow nach Pinnow. Der könnte täglich bis Mölln fahren und dadurch würde man einsparen, ist Gerfried Ehlert überzeugt.
Anderes Beispiel: Schule Burow. Weil dort mal eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns geplant gewesen sei, habe man zwei zusätzliche Linien für die Schülerbeförderung eingeführt. Die Zeitverschiebung habe dann doch nicht stattgefunden, aber „diese Fahrten auf der Linie 300 und 111 wurden nicht wieder aus dem Fahrplan genommen“, verdeutlicht Ehlert. Verschwendung sei auch, dass morgens ein Bus aus Demmin über Burow 34 Kilometer nach Altentreptow komme, um die Waldorfschüler von hier nach Demmin zu bringen. „Diese Linie müsste von Altentreptow aus bedient werden“, findet er. Selbst um die Schüler mit Anfangspunkt Letzin Siedlung nach Burow zu befördern, fahre der Bus erst 27 Kilometer über Tützpatz, Altenhagen und Peeselin nach Letzin Siedlung, „wo es normal nur 13 Kilometer sind. Alle Linien werden ja schließlich nach Kilometern bezahlt und das zahlen die Steuerzahler“, so Ehlert. Er könne noch weitere Beispiele für Steuerverschwendung nennen.
Daran ist der Kreis aber wohl nicht interessiert. „Die DVG hat ausführliche Wirtschaftlichkeitsberechnungen und Untersuchungen vorgenommen, mit dem Ziel, Kosten zu sparen. Das Ergebnis waren Änderungen der Fahrstrecken, so dass sechs Busse weniger gebraucht werden“, heißt es auf Nachfrage vom Kreis. Auch wenn Busse jetzt teilweise längere Anfahrtswege zurücklegen müssten, sei die Streckenführung „insgesamt deutlich effektiver“. Das Konzept werde aber ständig kontrolliert und aktualisiert, versichert der Kreis.
Unverständnis erntet Ehlert auch bei der DVG. Die hatte laut ihrem Geschäftsführer Jürgen Lafere vor Jahren im Zuge der Fortschreibung des Schulentwicklungsplanes und der Neustrukturierung der Schuleinzugsbereiche mit den Linienoptimierungen begonnen – auch weil damals die Forderung im Raum stand, ohne Zuschüsse des Kreises auskommen zu müssen. Ein Ziel, das erreicht wurde.
Für die Optimierung der Linien hatte die DVG eine eigene Arbeitsgruppe gebildet. „Herr Ehlert hat darin mitgewirkt“, sagt Lafere und wundert sich deshalb, dass dieser jetzt genau jenes Konzept kritisiere. Dabei sei es gelungen, sechs Busse einzusparen, ohne das Leistungsangebot zu reduzieren. „Das war eine wunderbare Sache, das schafft nicht jeder.“

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