Menschen, die in Großstädten den Führerschein erworben haben, sind geneigt, mit Arroganz auf die Fahrzeuglenker herabzublicken, die in der Provinz verkehrsgeschult wurden. Wer Eleve in Berlin war, fährt gelassener durch Neustrelitz als der ehemalige Chauffier-Lehrling aus der Residenzstadt in der Bundesmetropole. Erst recht, wenn Letzterer nur alle Jubeljahre mal an die Spree kommt. Dabei könnte die Latte für Fahrschüler in Neustrelitz viel höher hängen. Das Ausbildungsprogramm bräuchte nur die Höfe im historischen Stadtkern einzuschließen, die üben ungemein. Was da an Fahrkunst abverlangt wird, grenzt an die Fertigkeit, einen Hindernisparcours schadlos zu absolvieren. Der Denkmalschutz lässt grüßen. Es wimmelt an von Hausecken und Torpfosten begrenzten Engpässen, es gibt Wende- radien, die selbst an Rückfahrkameras zweifeln lassen. Hin und wieder machen Steigungen das Maß voll, zumal im rutschigen Winter. Und bei extrem knapp bemessene Parkflächen, dekoriert landestypisch mit Findlingen, ist die Präzision eines Uhrmachers vonnöten.Wie haben die das bloß anno dunnemals mit den Pferdefuhrwerken gemacht?!?Gegen die Barockhöfe ist das berüchtigte Parkhaus am Neuen Markt ein Anfängerziel. Vor lauter Angstschweiß entgeht einem beim Einfädeln glatt, wie schön Neustrelitz auch rückseitig geworden ist.